Kümmel – Die Arzneipflanze des Jahres 2016

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg legt jedes Jahr eine andere anerkannte Heilpflanze fest. Damit soll die wissenschaftliche Bedeutung der Arzneipflanzen als wirksame Medizin stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Dieses Jahr ist es der echte Kümmel.

Echter Kümmel (Carum carvi), auch einfach Kümmel, oder Wiesenkümmel oder gemeiner Kümmel ist eines der ältesten Gewürze. Die Pflanze stammt aus Kulturen vor allem in Polen, Holland, Ostdeutschland und Ägypten. Für den Anbau von Kümmel sind lehmige Böden gut geeignet. Die Aussaat der Deckfrucht wird im März durchgeführt. Nach ein bis drei Wochen keimt der Samen.

Kümmelsamen
Kümmelsamen

Kümmel ist eine sommergrüne Pflanze, die 30 bis 80 Zentimeter hoch wächst. Bei sehr günstigen Bedingungen wird sie sogar 1,20 Zentimeter hoch. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juli. Die Samenreife beginnt im Juni bis August. Die Ernte der Früchte erfolgt meistens vor der Vollreife, weil dann der Gehalt an aetherischem Öl am höchsten ist. Der Hauptwirkstoff des aetherischen Öles ist das intensiv riechende Carvon, sowie Limonen.

Verwendung in der Küche

Kümmelsamen macht viele schwer verdauliche Speisen wie z.B. Kohl bekömmlicher. Außerdem verfeinert er als Gewürz viele Gerichte. Kümmelsamen ist auch für den charakteristischen Geschmack vieler Spirituosen beliebt.

Die Blätter des Kümmels sind vom Geschmack her milder, und werden gerne in Salaten und Suppen verwendet. Die Wurzeln können als Gemüse gekocht werden.

Sollten die Kümmelsamen im Essen stören, gibt man nach dem Teebeutelprinzip beim Kochen einfach ein kleines Kümmelsäckchen dazu, das später wieder entfernt wird.

Verwendung als Heilpflanze

Früher wie heute schätzt man seine verdauungsfördernde Wirkung. Kümmelöl entspannt im Verdauungstrakt die Muskulatur und wirkt damit Völlegefühl und Blähungen entgegen. Außerdem bewirkt es, dass mehr Magensäure ausgeschüttet wird. Dadurch ist Kümmel appetitanregend. Durch seine krampflösenden Eigenschaften wirkt es bei leichten Krämpfen im Magen-, Darm- und Gallenbereich, und bei nervösen Herz-Magen-Beschwerden.

Anthroposophisches Mittel mit aetherischem Öl aus dem Kümmelsamen
Anthroposophisches Mittel mit aetherischem Öl aus dem Kümmelsamen

Kümmelöl wirkt antimikrobiell, so dass es auch in Mundwässern und Zahncremes sinnvoll eingesetzt wird. Schlechter Mundgeruch wird gehemmt, indem man einige Kümmelfrüchte kaut.

Bei Babys, die unter Bauchkrämpfen und Blähungen leiden, wird Kümmelöl stark verdünnt mit einem fetten Öl wie z.B. Mandel- oder Olivenöl zur Bauchmassage genommen.

Als Tee wird Kümmel häufig mit Anis und Fenchel kombiniert. Dieser Tee regt die Milchbildung an, deshalb trinken ihn junge Mütter gerne.

Getrockneter Kümmelsamen als Teezubereitung

Bei leichten krampfartigen Beschwerden im Magen- und Darmbereich, Blähungen und Völlegefühl, sowie bei nervösen Herz-Magen-Beschwerden:

  • 1 – 5 g zerstoßene Samenkörner auf 150ml frisch aufgekochtes Wasser
  • 10 – 15 Minuten ziehen lassen
  • Erwachsene: 1-3 mal täglich 1 Tasse
  • Säuglinge: Verdünnung der Erwachsenendosis 1:1

In vielen altbewährten Fertigarzneimitteln ist das aetherische Öl aus dem Kümmelsamen enthalten. Hier nur einige bekannte Produkte:

– Iberogast Tropfen
– Carmenthin Weichkapseln
– Bolus alba comp. Pulver
– Carum carvi Kinderzäpfchen
– Sidroga Tee Bäuchlein-Bär, oder Fenchel-Anis-Kümmel

Fertigarzneimittel mit aetherischem Öl aus dem Kümmelsamen
Fertigarzneimittel mit aetherischem Öl aus dem Kümmelsamen

Sehr selten kann Kümmel eine allergische Reaktion auslösen. Babys und Kleinkinder können mit Atemnot reagieren, wenn das konzentrierte Öl in die Nähe von Nase und Mund kommt. Asthmatiker sollten auch vorab mit ihrem Arzt abklären, ob sie entsprechende Mittel einnehmen dürfen. Inhalationen können evtl. einen Asthmaanfall auslösen.

Wenden Sie Kümmelöl nicht konzentriert an. Es kann zu Schleimhaut-und Hautreizungen führen.

Vorsicht!
Kümmel sieht den giftigen Schierlingsfrüchten ähnlich, deswegen sammeln Sie nicht selbst, wenn Sie unsicher sind!

Drei auf einen Streich …

… hier zu sehen im Herbstwald. Aber alle drei könnten auch in Ihren Arzneischrank Einzug halten, denn alle drei sind Heilpflanzen.

Eichenrinde, Hopfen, Brombeerstrauch

Eichenrinde, Hopfen, Brombeerstrauch

Da wäre als Erstes die Rinde einer Eiche – Quercus cortex – zu sehen. Eichenrinde enthält viel Gerbstoff. Diese Gerbstoffe wirken stark zusammenziehend. Sie werden gerne bei Ekzemen und schlecht heilenden Entzündungen als Bad oder Umschlag eingesetzt. Aber auch als Teezubereitung eignet sich die Eichenrinde. Da findet sie ihre Verwendung bei Durchfall, Mundschleimhautentzündungen und Halsschmerzen.

Bei den hellgrünen Zapfen handelt es sich um Hopfen – Humuli lupuli. Hopfen ist uns allen als Inhaltsstoff vom Bier bekannt. Er verleiht dem Bier die bittere Note. Als Heilpflanze wird er wegen seiner beruhigenden und schlaffördernden Wirkung sehr geschätzt. Auch ein nervöser Magen lässt sich durch die Bitterstoffe im Hopfen besänftigen. Als Teezubereitung wird Hopfen oft mit anderen beruhigenden Pflanzen wie Melisse und Baldrian kombiniert.

Die stachelige Ranke ist ein Brombeerstrauch – Rubus fruticosus. Nicht nur die Brombeeren als Frucht haben wir für uns entdeckt. Auch die Blätter sind als Heilpflanze bedeutsam. Als Teezubereitung wirken sie beruhigend, Hautausschläge können abheilen. Auch hier sind wie bei der Eichenrinde Gerbstoffe enthalten, die ebenfalls zur Behandlung von leichten Durchfällen und entzündeten Schleimhäuten eingesetzt werden. Die Blätter haben einen leicht herben Geschmack und werden gerne mit anderen Kräutern in Kräutertees gemischt.