Novemberblues – Wenn die Seele Trauer trägt

Die Tage werden kürzer, der Himmel grau in grau. Draußen plätschert der Regen monoton gegen die Scheiben. Die Stimmung ist getrübt. Viele Menschen fühlen sich jetzt lustlos, traurig und träge. Sie klagen über Energie-und Antriebslosigkeit, ein erhöhtes Schlafbedürfnis und haben einen regelrechten Heißhunger auf Süßes.

Sind diese Symptome stark ausgeprägt und treten jährlich wiederkommend (über mindestens zwei Jahre hintereinander) in der dunklen Jahreszeit auf, spricht man von einer saisonal abhängigen Depression.

Was passiert im Körper?

In der sonnenarmen Jahreszeit steht man im Dunkeln auf, arbeitet tagsüber bei Kunstlicht und geht erst im Dunkeln wieder heim. Dem Körper mangelt es an Licht. Wir alle wissen, wie sehr wir an einem sonnigen Sommertag aufblühen. Fehlt uns das Licht, produziert der Körper mehr von dem müde machenden Hormon Melatonin. Daher das gesteigerte Schlafbedürfnis und die gedrückte Stimmung. Den Heißhunger auf Schokolade etc erklärt man sich durch das darin enthaltende Serotonin, unser „Glückshormon“.

Bei einer klassischen Depression leidet man übrigens eher unter Schlaf- und Appetitlosigkeit!

Was kann man tun?

Bei der sogenannten Lichttherapie sitzt man maximal eine Stunde pro Tag vor einem speziellen Lichtgerät mit etwa 2500-10000 Lux (Lux ist die internationale Einheit für die Beleuchtungsstärke, also Helligkeit)

Zum Vergleich:
Unsere normale Zimmerbeleuchtung hat etwa 300-800 Lux. Es nützt also nichts, sich vor die Schreibtischlampe zu setzen.

Solch eine Therapie kann man vom Arzt duchführen lassen. Sie dauert ca. zwei Wochen.

Oft wird empfohlen auch 2-3 mal wöchentlich auf die Sonnenbank zu gehen. Denken Sie bitte daran, dass im Sonnenstudio (im Gegensatz zu den Speziallampen) mit UV-Licht gearbeitet wird, das für Hautalterung und Hautkrebs verantwortlich ist. Ihre Haut wird es Ihnen danken.

Möhnesee im Herbst

Spaziergang am Möhnesee

Gehen sie spazieren! Mindestens eine halbe Stunde pro Tag, am besten mittags, wenn die Sonne am höchsten steht. Gehen Sie lieber am Wasser entlang als im dunklen Wald. Nebenbei tut man auch noch etwas für die Fitness. Das ist eine preiswerte und gesunde Lösung. Und: Man kann sie sogar zu zweit durchführen!

Bei schweren Fällen muß der Arzt Medikamente (Antidepressiva) einsetzen.

Nicht jeder, der ein Stimmungstief hat, leidet an SAD. Das zu unterscheiden, ist Sache des Arztes. Wer länger als zwei Wochen Symptome der SAD hat und sehr leidet sollte seinen Hausarzt aufsuchen. Der kann, wenn nötig an einen Facharzt für Psychiatrie überweisen. Das sind die Experten für Depressionen.

Was kann man noch für sich tun?

Freunde treffen, zusammen lachen, ins Theater oder Museum gehen, mit warmen Farben (rot, gelb, orange) in der Wohnung die Stimmung aufhellen, sich Zeit für ein gutes Buch oder andere Hobbies nehmen, Sport treiben, etc

Ein pflanzlicher „Stimmungsaufheller“ ist Johanniskraut (einige Präparate sind verordnungsfähig bei leichten bis mittelschweren Depressionen). Bis die volle Wirkung eintritt, braucht es oft zwei Wochen. Wir beraten Sie gern dazu.

Allergien im Anflug

Die liebe Last mit dem Heuschnupfen

Raus an die frische Luft, den Frühling und Sommer genießen! Aber nicht mit mir. Denn mit den ersten Pollen wird für mich als Heuschnupfen-Allergiker die Natur zur Qual.

Heuschnupfen ist eine übersteigerte Reaktion unseres Körpers auf Eiweißstoffe in Blütenpollen. Unser Immunsystem bewertet eigentlich harmlose Partikel als gefährlich und macht sich kampfbereit. Bei der Verteidigung gegen die Pollen entleeren bestimmte Zellen, die sogenannten Mastzellen einen Cocktail aus Entzündungsvermittlern, der unter anderem aus dem Botenstoff Histamin besteht.

Das führt zu den bekannten Heuschnupfensymptomen:

  • angeschwollene Schleimhäute
  • laufende Nase, häufiges Niesen
  • Juckreiz
  • gerötete, tränende Augen
  • Kopfschmerzen
  • eingeschränkter Geruchssinn und auch Geschmackssinn
  • schlechtes Allgemeinbefinden

Heuschnupfen ist kein Zipperlein, sondern eine ernste Erkrankung, weil das Risiko, dass sich die Beschwerden in die Bronchien verlagern und es zu Asthma kommt recht hoch ist. Man spricht dann von Etagenwechsel.

Sommernachmittag an der Mühle

Sommernachmittag an der Mühle

Zusätzlich leiden viele Heuschnupfenpatienten auch oft an Nahrungsmittelallergien. Beispielsweise reagieren Birkenpollenallergiker oft auch auf Kiwis allergisch. Bei diesen Kreuzallergien kann das Immunsystem aufgrund der Ähnlichkeit nicht zwischen beiden Allergenen unterscheiden und reagiert somit auf beide.

Was hilft den Geplagten?

Lokalbehandlung von Augen und Nase

Eine Lokalbehandlung bietet den Vorteil, dass sie recht nebenwirkungsarm ist, da nur wenig Wirkstoff in den Körper aufgenommen wird.

  1. Cromoglycinsäure und Nedocromil

    Beide stabilisieren die Mastzellen um zu verhindern, dass sie ihren Cocktail aus Enzündungsvermittlern entladen. Um die volle Wirksamkeit zu entfalten, sollten sie schon ca. eine Woche vor den Allergiebeschwerden angewendet werden. Da die Wirkung schnell abnimmt, müssen sie vier mal täglich benutzt werden. Augentropfen und Nasentropfen sind einzeln und als Kombipackung erhältlich.

  2. Antihistaminika

    Die Blockade des Entzündungsvermittlers Histamin wird durch die Wirkstoffe Azelastin und Levocabastin erreicht. Sie werden unmittelbar bei Beschwerden des Auges oder der Nase verwendet, weil ihre Wirkung rasch einsetzt. Nach ca. 10 bis 20 Minuten hat man Linderung, eine regelmäßige Anwendung ist nicht nötig. Auch hier haben Sie die Möglichkeit zwischen Einzel- und Kombipackungen zu wählen.

  3. Nasensprays mit dem Wirkstoff Ectoin

    Es entfernt Pollen aus der Nase und unterstützt die körpereigene Schutzbarriere. Der Naturstoff Ectoin bildet einen beruhigenden Hydrofilm.

  4. Kortisonhaltige Nasensprays

    Lokal wirksame Kortikoide verringern die Produktion von Entzündungseiweißen und fahren das Immunsystem dort zurück, wo sie eingesetzt werden. Sie wirken am stärksten entzündungshemmend und antiallergisch. Man nutzt sie vor allem bei schweren Erkrankungen wie chronischem Heuschnupfen mit einer Nasennebenhöhlenentzündung oder asthmatischen Beschweren. Seit Oktober 2016 sind die Wirkstoffe Fluticason und Mometason nicht mehr verschreibungspflichtig.

    Die meisten kortisonhaltigen Nasensprays sind für Patienten ab sechs oder gar 12 Jahren zugelassen. Mometason eignet sich schon für Kinder ab drei Jahren.

    Fluticason hat eine Zulassung für Erwachsene ab 18 Jahren. Es bekämpft nicht nur die Beschwerden an Nase und Augen sondern auch ihre Ursache, die Entzündung der Schleimhäute. Wenden Sie das Spray auch dann an, wenn Sie symtomfrei sind, also täglich während der Allergiesaison. Anwendung: Zwei Sprühstöße pro Tag und Nasenloch, nach Besserung ein Sprühstoß.

Medikamente zum Einnehmen

Hier kommt wieder unser Botenstoff Histamin ins Spiel. Alle gängigen Allergietabletten mit chemischen Wirkstoffen blockieren das Histamin und greifen so in das Entzündungsgeschehen ein. Diese als Antihistaminika bezeichneten Wirkstoffe machten früher oft müde.

Die heute freiverkäuflichen Wirkstoffe Cetirizin und Loratadin bezeichnet man als Antihistaminika der zweiten Generation. 10mg täglich reichen aus, um den spezifischen H1 Rezeptor zu blockieren. Loratadin wirkt sogar noch etwas länger als Cetirizin. Die Wirkung tritt schnell ein und die meisten Patienten vertragen die beiden Wirkstoffe sehr gut.

Während der Therapie mit Cetirizin und Loratadin kommt es manchmal zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Ausschlag und Juckreiz, Kopfschmerzen und Benommenheit. Cetirizin kann vereinzelt müde machen und sollte deshalb abends eingenommen werden. Bei Personen, die sich stark konzentrieren müssen, ist Loratadin eher zu empfehlen.

Raus an die frische Luft, den Frühling und Sommer genießen

Frühling und Sommer an der frischen Luft genießen

Allergiker, die mit Loratadin und Cetirizin nicht auskommen, haben die Chance, mit den rezeptpflichtigen Antihistaminika der dritten Generation der Allergie den Garaus zu machen. Desloratadin und Levocetirizin sind hier die gängigsten Wirkstoffe. Dosierung: Einmal täglich 5mg.

Homöopathie

Die Einnahme homöopathischer Tabletten sollte bereits beginnen, bevor die Beschwerden ihren Höhepunkt erreichen. Ziel ist auch die Anregung der Selbstheilungskräfte. Ein Präparat der Firma DHU (www.dhu.de) enthält die Bestandteile Luffa operculata (Schwammgurke), Galphimia glauka (kein deutscher Name bekannt) und Cardiospermum (Ballonrebe). Niesreiz, verstopfte Nase, Juckreiz, tränende Augen und Bindehautentzündung können bekämpft werden. Es sind Tropfen und Tabletten im Handel, wobei homöopathische Tabletten nicht geschluckt werden: Man lässt sie unter der Zunge zergehen.

Desensibilisierung (verschreibungspflichtig)

Viele Allergiker kennen die Desensibilisierung (unempfindlich machen) als „Spritzentherapie“. Dabei bekommt man „seine“ Allergene in wachsender Konzentration unter die Haut gespritzt, um den Körper an die Allergene zu gewöhnen. Dafür muss man natürlich regelmäßig zum Arzt gehen, der zum einen die Spritze setzen muss und zum anderen Rezepte über die Desensibilisierungslösung ausstellt. Die Lösung wird dann bei der entsprechenden Firma hergestellt und liegt in ihrer Apotheke zur Abholung bereit.

Seit einiger Zeit gibt es eine Erleichterung für alle Gräserpollenallergiker!
Eine Tablette mit gefriergetrockneten Allergenen aus Graspollen (alle Arten von Gräsern). Sie wird unter die Zunge gelegt wie homöopathische Tabletten und muss nicht gekühlt werden. Die Therapie sollte zwei (besser vier) Monate vor der Graspollensaison beginnen und dauert ca. 3 Jahre. Auch die Tabletten sind verschreibungspflichtig, daher wird es hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Sal-Weide

Sal-Weide

Tipps für Heuschnupfengeplagte

  • Regen bringt Segen! Vermeiden Sie bei hoher Pollenbelastung den Aufenthalt im Freien. Nach einem kräftigen Regenguss ist die Luft wie reingewaschen, man kann besser atmen.
  • Informieren Sie sich über die täglichen Pollenflugvorhersagen.
    WO? WIE? Am besten gleich hier bei uns →.
    Oft bieten auch die regionalen Radiosender diesen Service an, oder Sie schauen im Internet auf der Seite des deutschen Wetterdienstes nach. (www.dwd.de)
  • Schützen Sie Ihre Augen. Tragen Sie im Freien eine Sonnenbrille. Schon kommen weniger Pollen in die Augen
  • Lassen Sie im Auto bei starkem Pollenflug die Fenster zu und die Lüftung aus. Es sei denn, es ist ein Feinstaubfilter eingebaut. Diese müssen aber auch mal erneuert werden.
  • In der Wohnung sollte täglich Staub gesaugt werden (möglichst nicht vom Allergiker selbst). Auch für Staubsauger gibt es Mikrofilter, damit der Staubsauger nicht zur Pollenschleuder wird. Staubsaugerbeutel häufig wechseln.
  • Vermeiden Sie Wiesenblumensträuße in der Wohnung. (Hatschi)
  • Spülen Sie sich abends die in den Haaren hängen gebliebenen Pollen aus, bevor Sie ins Bett gehen.
  • Nachts Fenster geschlossen halten.
  • Legen Sie die getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ab. Ohne Pollen schläft es sich besser.

Hinweis

Vermeiden Sie eine längere Anwendung von Erkältungsnasensprays mit abschwellenden Wirkstoffen. Sie trocknen die Nasenschleimhäute aus und führen schnell zur Gewöhnung. Verwenden Sie möglichst unkonservierte Nasensprays, weil die Konservierungsstoffe die Flimmerhärchen und die Hornhaut schädigen und selbst zu Allergien führen. Kurzfristige Anwendung (möglichst unter sieben Tage) ist in Ordnung, wenn man beispielsweise abends eine verstopfte Nase schnell freibekommen möchte. Schließlich ist erholsamer Schlaf auch wichtig, besonders wenn man tagsüber von Pollen gequält wird.

Wir wünschen Ihnen eine beschwerdefreie Zeit!

Hautsache Sonne

„Die Sonne ist die Universalarznei aus der Himmelsapotheke.“

August von Kotzebue

Wer mag es nicht: Von der Sonne sanft gestreichelt werden, die Romantik eines Sonnenunterganges genießen, am Meer spazieren gehen. Sehnsucht kommt auf…

Die Sonne fasziniert uns. Wir brauchen sie! Ohne Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde. Die Sonne regt die Bildung von lebenswichtigem Vitamin D für die Knochen an und die Produktion der Glückshormone (Endorphine). Daher unsere gute Laune. Die Sonne strahlt und wir mit ihr um die Wette. Bei Lichtmangel, wie zum Beispiel in der trüben Jahreszeit, kann es sogar zu Depressionen kommen.

Sommer am Strand
Sommer am Strand

Aber die Sonne hat auch ihre Schattenseiten!

Nicht nur die schnellere Hautalterung geht auf ihr Konto, sondern auch die alamierend steigende Zahl der Hautkrebserkrankungen. Damit Ihr Sonnenglück nicht getrübt wird, raten wir Ihnen die Sonne in Maßen und gut eingecremt zu genießen.

Was ist das eigentlich, Sonnenstrahlung?

Kleine Physikstunde: Der „heiße Gasball“ Sonne

Im Kern der Sonne verschmelzen Unmengen an Wasserstoffatomkernen durch Kernfusion zu Helium. Die dadurch entstehenden Energiemengen werden in Form von Strahlung abgegeben.

Die optische Strahlung des Sonnenlichtes setzt sich aus drei Bereichen zusammen:

  • das sichtbare Licht (VIS)
  • das ultraviolette Licht (UV)
  • das Infrarotlicht (IR)

Das sichtbare Licht ist dafür verantwortlich, dass wir überhaupt Farben sehen. Es ist für uns natürlich nicht gefährlich.

UV-Licht – die unsichtbare Gefahr!

Sie ist der energiereichste Teil der optischen Strahlung. Je nach Wellenlänge (100 bis 400 Nanometer) unterteilen wir das UV-Licht nochmals in UV-A (Wellenlängen von 320 bis 400 nm), UV-B (Wellenlängen von 280 bis 320 nm) und UV-C (Wellenlängen von 200 bis 280 nm), wobei das UV-C Licht kaum die Erde erreicht.

Interessant sind für uns UV-A und UV-B Strahlen. Dabei dringen die längerwelligen UV-A-Strahlen am tiefsten in die Haut ein. Man kann UV-Strahlung weder hören, noch sehen noch riechen. Daher vergisst man oft sich zu schützen. UV-A-Strahlen sind verantwortlich für:

  • Hautalterung
  • Sonnenallergie
  • Arzneimittelreaktionen wie Steigerung der Lichtempfindlichkeit
  • Hautkrebs

UV-A Licht wird auch als Schwarzlicht bezeichnet.

UV-B-Strahlen sind verantwortlich für:

  • Bräune
  • Sonnenbrand
  • Schwächung des Immunsystems
  • Hautkrebs

Wissen Sie, warum wir eigentlich braun werden?

Durch UV-B Strahlen wird die Bildung eines körpereigenen Pigmentes angeregt (Melanin). Dieses Pigment legt sich um den Zellkern, um unsere kostbare Erbinformation zu schützen. Dadurch erscheint die Haut braun. Bräune ist also reiner Selbstschutz! Die Haut schützt sich auch noch durch Verdickung der Hornschicht, so dass das Eindringen von UV-Strahlung erschwert wird (Lichtschwiele).

Salsa am Strand, aber bitte mit Sonnenschutz
Salsa am Strand, aber bitte mit Sonnenschutz

Auch UV-A Licht bräunt. Durch eine direkte Pigmentierung erfolgt die Bräunung schnell, allerdings nur kurzfristig. In Solarien werden überwiegend Röhren verwendet, die UV-A Licht abstrahlen, was keineswegs harmlos ist, wie manche Inhaber von Sonnenstudios gern behaupten. Ein Solariumbesuch schützt nicht vor Sonnenbrand in der natürlichen Sonne! Ein ausreichend hoher Sonnenschutz ist immer notwendig und für unsere Hautgesundheit immer wichtig.

IR-Strahlung – nicht nur wohlige Wärme!

IR-Strahlen empfinden wir als Wärme. Sie entstehen zum Beispiel in der Sonne oder bei einem Feuer. Etwa 50% der Sonnenstrahlung besteht aus Infrarot-Strahlung. Die Strahlen erwärmen unsere Haut und unser Auge. IR-Licht ist nicht so harmlos wie man bisher immer dachte. Neben akuten Schädigungen wie Hitzeschlag und Sonnenstich können auch chronische Schäden am Auge auftreten. Vermeiden Sie deshalb den direkten Blick in die Sonne ohne eine Sonnenbrille mit zuverlässigem UV-Schutz. IR-A Strahlen können außerdem im Gegensatz zu den IR-B und IR-C Strahlen tief in unsere Haut eindringen. Dort können sie in die „Energiefabriken“ unserer Zellen gelangen und die Zellen in Stress versetzen, was wiederum die Zellen schädigt.

IR-A Strahlen tragen auch zur Hautalterung bei, weil sie die Bildung eines Kollagen abbauenden Enzyms fördern: Viel Sonne bedeutet viele Falten. So einfach ist das.

Leider merken wir nicht, wieviel IR-A Strahlung wir abbekommen haben, denn es gibt keinen Sonnenbrand als Warnzeichen, wie bei den UV-Strahlen und wir können IR-A Strahlen nicht sehen, nur fühlen. Herkömmliche Lichtschutzfilter sind hier machtlos. Die gute Nachricht: Es gibt Sonnenschutzmittel, die mit „Antioxidantien-Cocktail“ gegen IR-A Strahlen schützen.

Der richtige Sonnenschutz

Wie schaffe ich es nur den Weg durch den Dschungel von Produkten zu finden?

Generell sollte man Produkte mit möglichst wenig Inhaltsstoffen wählen, das heißt ohne Parfüm, ohne Duftstoffe und wenn möglich ohne Konservierungsstoffe (die lassen sich nicht immer vermeiden – sie sind wichtig für die Stabilität einer Zubereitung). Kaufen Sie ihren Sonnenschutz lieber nicht erst im Urlaubsland ein, wer weiß schon wie lange er schon in der Sonne brät.

Beginnen wir mit der Wahl des Lichtschutzfaktors.

Ein Lichtschutzfaktor, abgekürzt LSF oder LF gibt an, um welche Zeit ich meine persönliche Eigenschutzzeit verlängern kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. ACHTUNG: Der Lichtschutzfaktor bezieht sich weltweit einheitlich nur auf den Schutz vor UV-B Strahlen, nicht auf UV-A Strahlen!

Man unterscheidet 4 Hauttypen:

Hauttyp 1:

  • Sehr heller Typ mit vielen Sommersprossen, bräunt so gut wie gar nicht, wird eher nur rot
  • Augenfarbe grün oder blau
  • Haare blond oder rot
  • Kann ohne Sonnenschutz nur 5 bis 10 Minuten in der Sonne bleiben ohne dass eine Rötung auftritt (Eigenschutzzeit)

Hauttyp 2:

  • Heller Typ mit Sommersprossen, bräunt wenig
  • Augenfarbe grün oder blau
  • Haare blond
  • Eigenschutzzeit 10 bis 20 Minuten

Hauttyp 3:

  • Bräunt gut, wirkt stets leicht gebräunt
  • Augenfarbe grau bis braun
  • Haare dunkelblond bis braun
  • Eigenschutzzeit 20 bis 30 Minuten

Hauttyp 4:

  • Von Natur aus dunkel, bräunt sehr schnell
  • Augenfarbe dunkelbraun
  • Haare dunkel bis schwarz
  • Eigenschutzzeit 30 bis 40 Minuten

Ein Lichtschutzfaktor verlängert diese Eigenschutzzeit. Steht zum Beispiel auf einer Flasche der Lichtschutzfaktor 10, kann ein Mensch mit Hauttyp 1 statt 5 bis 10 Minuten 50 bis 100 Minuten in der Sonne bleiben ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, ein Mensch mit Hauttyp 4 hingegen 300 bis 400 Minuten. Bitte reizen Sie diese Zeiten nicht bis zum bitteren Ende aus, sondern gehen Sie nach maximal 70% der Zeit aus der Sonne!

UV Index

Dieser international festgelegte Wert beschreibt den zu erwartenden Tagesspitzenwert an UV-B Strahlung (am Boden gemessen). Man kann den Wert telefonisch unter 0900/111543000 erfragen oder im Internet beim Deutschen Wetterdienst (www.dwd.de) nachsehen. Die Werte reichen von 0 bis 13, Deutschland hat einen Maximalwert von 8.

Was fangen wir jetzt damit an?

Nehmen Sie den UV-Index mal 2 (und runden auf), dann haben Sie Ihren benötigten Lichtschutzfaktor! Kinder, Sonnenallergiker und hellhäutige Menschen schlagen auf den Wert mindestens die Zahl 5 auf.

Ein Beispiel: Der maximale UVI in Deutschland beträgt 8, mal 2 = 16, plus 5 = 21. Für Deutschland reicht also Schutzfaktor 20 aus.

Sonnenallergie – die Haut schreit!

Der Urlaub könnte so schön sein, wenn da nicht diese schrecklich juckenden Pusteln wären. Die genauen Ursachen der Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) sind weitestgehend unbekannt.

Eine große Rolle spielen dabei wohl die UV-A Strahlen. Besonders dann, wenn man von jetzt auf gleich in die Sonne fährt ohne einen hohen Sonnenschutz zu verwenden und ohne sich langsam an die Sonneneinstrahlung zu gewöhnen. Hier greift die Regel [UV-Index mal 2] nicht. Ein Sonnenallergiker sollte Schutzfaktor 30 und höher wählen. Einige Firmen befolgen schon die neuen Vorschriften nach denen der UV-A Schutz nur ausgelobt werden darf, wenn er mindestens ein Drittel des UV-B Schutzes beträgt (seit 2009 Pflicht). Daher ist dann der UV-A Schutz um so höher, je höher der UV-B Schutz ist. Andere Firmen halten sich an den australischen Standard, nach dem ein Sonnenschutzprodukt mindestens 90% der UV-A Strahlung herausfiltern muss.

Der Mallorca-Akne Geplagte hat dagegen mit anderen Problemen zu kämpfen. Vor allem am Dekolleté, den Oberarmen und am Rücken finden sich die juckenden, akneähnlichen Pusteln. Das liegt nicht nur an den UV-A Strahlen, sondern auch an bestimmten Stoffen in Sonnencremes und Lotionen. Diese als Emulgatoren bezeichneten Stoffe sorgen dafür, dass Wasser und Fettphase einer Creme sich gleichmäßig vermischen, damit Sie sie gut auftragen können.

Da hilft nur, konsequent auf ein emulgatorfreies Gelprodukt umzusteigen, und zwar schon frühzeitig. Emulgatoren halten sich etwa 24 Stunden in der Haut, daher sollte man schon zu Hause mit dem Verzicht auf die Bodylotion beginnen. Heute gibt es hochwertige nichtklebende Gele ohne Parfüm, Duftstoffe oder Konservierungsstoffe für Gesicht und Körper, die auch gut für ölige Haut geeignet sind. Selbstverständlich sollte auch das After-Sun Produkt ohne Emulgatoren sein.

Übrigens: Nicht alle Gele sind durchsichtig! Es gibt auch Gele, die aussehen wie eine Milch und sich genauso gut verteilen lassen.

Kinder – keine kleinen Erwachsenen

Ein Säugling gehört niemals in die direkte Sonne! Alle Sonnenbrände bis zum Erwachsenenalter merkt sich die Haut. Jeder Sonnenbrand ist wie eine Einzahlung auf ein Hautkrebskonto. Kinder haben nur eine Eigenschutzzeit von ca. 7 Minuten. Erst nach der Pubertät kann der Körper genügend schützendes Melanin bilden, daher verdienen Kinder unsere besondere Aufmerksamkeit. Lassen Sie ihr Kind im Schatten spielen, möglichst mit lockerer Kleidung und Sonnenhut mit Krempe. Zwischen 11:00 Uhr und 15:00 Uhr sollte die Sonne gemieden werden, nicht nur von Kindern.

Nehmen Sie bei Kindern einen hohen Sonnenschutz, der auch die zarte Haut gut pflegt. Besonders gern werden Kinder eingesprüht, vielleicht schaffen Sie es so leichter, zum Beispiel nach dem Planschen im Wasser nachzucremen. Wildes Planschen übersteht selbst ein wasserfestes Präparat nicht. Nachcremen verlängert allerdings nicht den Sonnenschutz, aber es erhält ihn.

Wenn Sie organische Filter ablehnen, gibt es als Alternative Sonnenschutz mit Mikropigmenten. Diese Pigmente dringen nicht in die Haut ein, sie liegen auf der Haut und reflektieren das Licht wie kleine Spiegel. Sorgfältiges Verreiben ist hier oberste Pflicht! Mikropigmente hinterlassen oft einen weißlichen Film auf der Haut, daher hat man bei älteren Kindern Schwierigkeiten mit der Akzeptanz. Für trockene Haut sind Sonnencremes mit Mikropigmenten eher ungeeignet, da sie Fette aus der Haut saugen. Besser geeignet sind Zubereitungen mit Kombinationen aus organischen Filtern und Mikropigmenten, die selbstverständlich auch von Erwachsenen mit trockener Haut oder Neurodermitis verwendet werden können.

Der moderne Sonnenschutz kann reparieren!

High-Tech hin oder her, viele Wirkstoffe oder Wirkprinzipien schauen wir der Natur ab. Eine im Wasser lebende Blaualge mit dem niedlichen Namen Anacystis nidulans produziert das Enzym Photolyase um sich vor Sonnenstrahlen zu schützen. Diesen Naturstoff kann man nachbauen und in Sonnenschutzlotionen integrieren. Das Enzym kann UV-A bedingte Schäden an unserem Erbmaterial unter Lichteinwirkung reparieren. Das kann praktischerweise schon während des Sonnenbadens passieren. Außerdem wird die Unterdrückung des Immunsystems aufgehoben. Photolyase-Produkte gibt es ergänzend auch als After-Sun. Da das Enzym lichtabhängig funktioniert, sollte man fünf Minuten nach dem Auftragen in der Sonne oder im Kunstlicht bleiben.

Sonnenuntergang auf Menorca
Sonnenuntergang auf Menorca

Unsere Haut verfügt auch über einen Reparaturmechanismus. Schadhafte Veränderungen an unserem Erbmaterial können „herausgeschnitten“ werden (dark repair). Dieser Prozess braucht allerdings ca. 16 Stunden.

Tipps für gesundheitsbewusste Sonnenanbeter

  • Vermeiden Sie Sonnenbrände! Tragen Sie den Sonnenschutz schon im Hotel/Ferienhaus etc. auf. Je nachdem wie weit Sie es bis zum Strand haben kann es sein, dass ihre Eigenschutzzeit schon vorbei ist, bevor Sie ankommen. Die Firmen bieten Sonnenschutzprodukte an, die schon nach ca. 5 Minuten wirken.
  • Tragen Sie ausreichend viel Sonnenschutz auf. Viel hilft viel – also nicht geizen! Für den Körper benötigt man bei einer Lotion ca. 25 ml ( ein Schnapspinnchen), bei einem Spray ca. 20 ml.
  • Sonnenschutz hält nicht ewig. Nachcremen sollte man etwa alle zwei Stunden und grundsätzlich nach dem Schwimmen, da ist der Sonnenschutz eher im Handtuch als auf der Haut zu finden. Nachcremen verlängert zwar nicht die Zeit, die Sie in der Sonne bleiben dürfen, aber es erhält den Schutz.
  • Nutzen Sie die Sonnenschutzzeit zu maximal 70% aus, um Hautschäden vorzubeugen.
  • Meiden Sie die Mittagssonne! Zwischen 11:00 Uhr und 15:00 Uhr ist die Sonnenintensität am höchsten (60% der Gesamttagesstrahlung). Denken Sie besonders an die Kinder.
  • Im Schatten braucht man auch Schutz, denn immerhin beträgt die Sonnenintensität dort mindestens 50%. Bei bewölktem Himmel denkt man auch selten an Sonnenschutz, obwohl ca.80% der Strahlung durchkommt. Bitte auch beim Schnorcheln Sonnenschutz nicht vergessen. Selbst bis einen Meter unter die Wasseroberfläche kommt noch Strahlung durch.
  • Für schnellen Schutz beim Fahrrad fahren empfehlen wir nichtklebende, fettfreie Sprays. Für lichter werdende Männerköpfe sind die Sprays ebenfalls hervorragend geeignet.
  • Denken Sie auch daran, ihre Augen zu schützen. Eine gute Sonnenbrille ist nicht nur ein modisches Accessoire, sondern Arznei für unsere Augen.
  • Auch Kleidung ist Sonnenschutz. Die Firma Hyphen (www.myhyphen.de) bietet spezielle Kleidung mit UV-Schutz an, die mehr schützt als normale Kleidung. Denken Sie bei Kindern auch an ein Käppi mit breiter Krempe und Nackenschutz.
  • Verzichten Sie auf Parfum oder parfümierte Deos in der Sonne. Es können sich bleibende dunkle Pigmentflecke bilden.
  • Vorsicht, Lippenherpes! In der Sonne kann es leichter zu Lippenherpes kommen, weil unser Immunsystem geschwächt ist. Außerdem kann Lippengewebe keinen Eigenschutz aufbauen. Bitte benutzen Sie einen Lippenpflegestift mit hohem Sonnenschutzfaktor. Verleihen sollten Sie ihn allerdings nicht. Jedem das Seine.
  • Die Anzahl von 50 (intensiven) Sonnenbädern sollte nicht überschritten werden, raten Hautärzte. Auch der Besuch im Solarium zählt dazu!

Das Motto sollte nicht lauten „Hauptsache Sonne“, sondern „Sonne ist Hautsache“!