Lippenherpes – wenn Ekel und Ärger sichtbar werden

Es erwischt uns garantiert dann, wenn wir es am wenigsten gebrauchen können: Bei der Hochzeit unseres besten Freundes oder – schlimmer noch – bei unserer eigenen, beim ersten Date, beim Vorstellungsgespräch, einer wichtigen beruflichen Präsentation, und, und, und. Es gibt so viele Situationen, in denen uns Herpes labialis, zu deutsch Lippenherpes, besonders nervt. Willkommen ist er sowieso nie.

Wo kommt er her?

Man schätzt, dass neunzig Prozent der Bevölkerung das Schmarotzervirus HSV-1 (Herpes Simplex-Virus 1- zur Familie der Herpesviren zählen acht verschiedene) in sich trägt. Infiziert haben wir uns meist vor dem sechsten Lebensjahr, und meistens von unseren Eltern. Beim Küssen kann sich das Virus übertragen, aber auch durch Berührung infizierter Gegenstände oder Trinken aus dem Glas eines Herpesträgers. Oft erfolgt die Ansteckung durch Tröpfcheninfektion, das heißt durch Husten und Niesen.

Diese erste Infektion verläuft meist unbemerkt, weil kaum Symptome auftreten. Wenn sich Symptome zeigen, dann eher im Mund als Zahnfleisch – oder Mundschleimhautentzündung als an den Lippen.

Als Auslöser kommen infrage:

  • fiebrige Infekte
  • Stress
  • Ekel
  • Sonne
  • Hormonelle Veränderungen, wie etwa Menstruation und Schwangerschaft
  • Angst / Nervosität, zum Beispiel bei Prüfungen

Und wo geht er hin?

Das Virus bleibt in uns, lebenslang. Er wandert in die Nervenknoten der Gesichtsnerven und lebt dort in einer Art Schlummerzustand.

Warum reagiert unser Immunsystem nicht auf die frechen Viren? Sie schummeln unserem Immunsystem vor, kein Feind zu sein und wo kein Feind erkannt wird, kann auch keiner bekämpft werden.

Der Schläfer kann aber jederzeit blitzschnell seinen Schlafraum verlassen und erbarmungslos zuschlagen. Der Anschlag kündigt sich durch Kribbeln und Ziepen an. Die Lippe spannt irgendwie, es juckt und brennt eventuell und schmerzt auch. Dann entwickeln sich auf dem Höhepunkt der Virusinvasion hässliche, nässende Bläschen, die man auch als Fieberbläschen bezeichnet, obwohl sie nichts mit Fieber zu tun haben. Die Bläschen platzen auf, dann folgen störende Krusten. Die
ganze Misere kann gut und gerne bis zu zehn Tage dauern.

Küssen verboten - es erwischt uns garantiert dann, wenn wir es am wenigsten gebrauchen können

Es erwischt uns garantiert dann, wenn wir es am wenigsten gebrauchen können

Manche Menschen durchleben die Attacke nur zweimal im Jahr, manche hingegen werden alle vier bis sechs Wochen gepeinigt. Ab sechs Rückfällen pro Jahr sollte auf jeden Fall der Arzt hinzugezogen werden.

Früher Vogel fängt den Wurm

Egal, für welche Therapie Sie sich entscheiden, tun sie es möglichst früh. Je eher ein Herpesmittel angewendet wird, desto besser wirkt es. Es gibt verschiedene Ansätze.

Aciclovir

Seit 1981 ist der Wirkstoff bei uns als Creme im Handel. Das Besondere an Aciclovir ist, dass es die Herpesviren in ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung stoppt, aber unsere gesunden, herpesfreien Zellen völlig in Ruhe gelassen werden. Eine Sensation! Das fand auch das Nobelpreiskomitee und verlieh den Entdeckern von Aciclovir, den Amerikanern Gertrude B. Ellon und George H. Hitchings 1988 den Nobelpreis für Medizin.

Es bleibt Ihnen als Verbraucher überlassen, ob sie das Markenprodukt oder ein preiswertes Nachahmerprodukt anwenden. Manche Patienten schwören auf das eine, manche auf das andere. Auf jeden Fall sollten Sie das Präparat fünf bis achtmal am Tag mit einem Wattestäbchen (wegen der Hygiene) einmassieren. Bitte circa fünf Tage anwenden. Natürlich kann man am effektivsten Viren stoppen, wenn noch nicht so viele da sind, daher beginnt man am besten schon mit der Anwendung, wenn es ziept und spannt. Aciclovir ist in Schwangerschaft und Stillzeit erlaubt.

Penciclovir

Wie man an der Endung -vir erkennt, gehört dieser Wirkstoff in die gleiche Gruppe wie Aciclovir. Seit 2005 ist er rezeptfrei als Creme erhältlich. Die Anwendung soll noch gut möglich sein, wenn die Bläschen schon richtig herrausgekommen sind. Jeder muss herausfinden, womit er am besten zurecht kommt. Trotzdem gilt: Früher Vogel fängt den Wurm!

Schüssler’sche Mineralien

Gerade für Kinder gibt es mit der Nr.8 (Natrium Chloratum) eine gute Behandlungsmöglichkeit. Geben Sie dem Kind im akuten Stadium stündlich eine Tablette. Die Tabletten werden nicht geschluckt, nur gelutscht. Man kann auch eine Tablette mit ein wenig Wasser aufschlemmen und diesen Brei direkt auf den Herpes auftragen.

Melissenextrakt

Mit Pflanzenkraft das Gift bekämpfen (das Wort „Virus“ kommt aus dem lateinischen und bedeutet „Gift“). Die Melissenwirkstoffe besetzen Andockstellen auf unseren Hautzellen, so dass den Viren der Eintritt verwehrt bleibt.

Zinksulfat-Heparingel

Die Kombination sorgt dafür, dass einerseits die Anfangssymptome wie etwa das Spannungsgefühl gelindert werden, andererseits die Abheilung schneller geht.

Herpespflaster

Da haben sich die Entwickler wirklich Gedanken gemacht, dass Betroffene sich ihrer „Bratsche“ oft schämen. Das runde, durchsichtige Pflaster mit etwa einem Zentimeter Durchmesser deckt die Bläschen nicht nur ab, sondern macht sie auch unsichtbar. Es vermindert das unangenehme Brennen und beschleunigt die Abheilung meist sogar ohne lästige Krusten. Wenn das Pflaster anfängt sich zu lösen, was cirka acht bis zehn Stunden dauert, wird es ausgewechselt.

Über den Pflastern darf ruhig Lippenstift aufgetragen werden. Ein vorsichtiges, kleines Bussi ist, wenn das Pflaster die Bläschen wirklich gut umschließt, erlaubt. Beim Essen und Trinken sollten Sie aufpassen, dass alles an seinem Platz bleibt.

Kinder und Schwangere dürfen selbstverständlich auch auf das Pflaster zurückgreifen.

Urin

Es gibt wirklich Leute, die darauf schwören, Eigenurin auf die Lippen aufzutragen. Wem es hilft, der soll es ruhig weitermachen, schaden wird es nicht.

Küssen verboten – Tipps im Umgang mit Lippenherpes

Auch wenn Lippenherpes in den meisten Fällen harmlos ist, so ist es nichts desto Trotz hochansteckend. Daher ist auch hier eine entsprechende Hygiene unumgänglich. Hierzu gehört das altbekannte Händewaschen vor und nach Auftragen der Creme genauso wie das Teilverbot von Zahnbürsten, Handttüchern, Gläsern, Besteck und ähnlichem.

Das Bussi für den Partner sollte man sich bis zur Abheilung aufsparen. Ein Tipp für Sonnenhungrige und Skihasen: UV-Licht setzt die Immunabwehr herab. Das begünstigt wiederum einen Lippenherpes. Daher bitte niemals den Sonnenschutz für die Lippen vergessen.

Ganz besonders Acht geben müssen Mütter bei Säuglingen. Sind sie gerade infiziert, ist sowohl Küssen als auch Schnuller oder Fläschchensauger ablecken passé, da sich die lästigen Virusbiester auch im Speichel befinden. Bei Neugeborenen ist Lippenherpes alles andere als harmlos. Es kann sogar zu sehr gefährlichen Hirnhautentzündungen kommen.

Bitte kratzen Sie niemals die Bläschen auf, sie enthalten Millionen infektiöser Viren. Gerade Kontaktlinsenträger sollten diesen Rat besonders befolgen. Falls Viren, die man dann an den Fingern oder unter den Nägeln hat, ins Auge gelangen, ergeben sich gefährliche Entzündungen. Sehr leicht lässt sich das Auge auch infizieren, wenn Kinder Daumen lutschen und anschließend das Auge berühren.

Viel Spaß im Urlaub oder wo Sie auch gerade sind! Vielleicht haben Sie ja vorsorglich schon ihr Herpesmedikament in der Tasche.

Hautsache Sonne

„Die Sonne ist die Universalarznei aus der Himmelsapotheke.“

August von Kotzebue

Wer mag es nicht: Von der Sonne sanft gestreichelt werden, die Romantik eines Sonnenunterganges genießen, am Meer spazieren gehen. Sehnsucht kommt auf…

Die Sonne fasziniert uns. Wir brauchen sie! Ohne Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde. Die Sonne regt die Bildung von lebenswichtigem Vitamin D für die Knochen an und die Produktion der Glückshormone (Endorphine). Daher unsere gute Laune. Die Sonne strahlt und wir mit ihr um die Wette. Bei Lichtmangel, wie zum Beispiel in der trüben Jahreszeit, kann es sogar zu Depressionen kommen.

Sommer am Strand
Sommer am Strand

Aber die Sonne hat auch ihre Schattenseiten!

Nicht nur die schnellere Hautalterung geht auf ihr Konto, sondern auch die alamierend steigende Zahl der Hautkrebserkrankungen. Damit Ihr Sonnenglück nicht getrübt wird, raten wir Ihnen die Sonne in Maßen und gut eingecremt zu genießen.

Was ist das eigentlich, Sonnenstrahlung?

Kleine Physikstunde: Der „heiße Gasball“ Sonne

Im Kern der Sonne verschmelzen Unmengen an Wasserstoffatomkernen durch Kernfusion zu Helium. Die dadurch entstehenden Energiemengen werden in Form von Strahlung abgegeben.

Die optische Strahlung des Sonnenlichtes setzt sich aus drei Bereichen zusammen:

  • das sichtbare Licht (VIS)
  • das ultraviolette Licht (UV)
  • das Infrarotlicht (IR)

Das sichtbare Licht ist dafür verantwortlich, dass wir überhaupt Farben sehen. Es ist für uns natürlich nicht gefährlich.

UV-Licht – die unsichtbare Gefahr!

Sie ist der energiereichste Teil der optischen Strahlung. Je nach Wellenlänge (100 bis 400 Nanometer) unterteilen wir das UV-Licht nochmals in UV-A (Wellenlängen von 320 bis 400 nm), UV-B (Wellenlängen von 280 bis 320 nm) und UV-C (Wellenlängen von 200 bis 280 nm), wobei das UV-C Licht kaum die Erde erreicht.

Interessant sind für uns UV-A und UV-B Strahlen. Dabei dringen die längerwelligen UV-A-Strahlen am tiefsten in die Haut ein. Man kann UV-Strahlung weder hören, noch sehen noch riechen. Daher vergisst man oft sich zu schützen. UV-A-Strahlen sind verantwortlich für:

  • Hautalterung
  • Sonnenallergie
  • Arzneimittelreaktionen wie Steigerung der Lichtempfindlichkeit
  • Hautkrebs

UV-A Licht wird auch als Schwarzlicht bezeichnet.

UV-B-Strahlen sind verantwortlich für:

  • Bräune
  • Sonnenbrand
  • Schwächung des Immunsystems
  • Hautkrebs

Wissen Sie, warum wir eigentlich braun werden?

Durch UV-B Strahlen wird die Bildung eines körpereigenen Pigmentes angeregt (Melanin). Dieses Pigment legt sich um den Zellkern, um unsere kostbare Erbinformation zu schützen. Dadurch erscheint die Haut braun. Bräune ist also reiner Selbstschutz! Die Haut schützt sich auch noch durch Verdickung der Hornschicht, so dass das Eindringen von UV-Strahlung erschwert wird (Lichtschwiele).

Salsa am Strand, aber bitte mit Sonnenschutz
Salsa am Strand, aber bitte mit Sonnenschutz

Auch UV-A Licht bräunt. Durch eine direkte Pigmentierung erfolgt die Bräunung schnell, allerdings nur kurzfristig. In Solarien werden überwiegend Röhren verwendet, die UV-A Licht abstrahlen, was keineswegs harmlos ist, wie manche Inhaber von Sonnenstudios gern behaupten. Ein Solariumbesuch schützt nicht vor Sonnenbrand in der natürlichen Sonne! Ein ausreichend hoher Sonnenschutz ist immer notwendig und für unsere Hautgesundheit immer wichtig.

IR-Strahlung – nicht nur wohlige Wärme!

IR-Strahlen empfinden wir als Wärme. Sie entstehen zum Beispiel in der Sonne oder bei einem Feuer. Etwa 50% der Sonnenstrahlung besteht aus Infrarot-Strahlung. Die Strahlen erwärmen unsere Haut und unser Auge. IR-Licht ist nicht so harmlos wie man bisher immer dachte. Neben akuten Schädigungen wie Hitzeschlag und Sonnenstich können auch chronische Schäden am Auge auftreten. Vermeiden Sie deshalb den direkten Blick in die Sonne ohne eine Sonnenbrille mit zuverlässigem UV-Schutz. IR-A Strahlen können außerdem im Gegensatz zu den IR-B und IR-C Strahlen tief in unsere Haut eindringen. Dort können sie in die „Energiefabriken“ unserer Zellen gelangen und die Zellen in Stress versetzen, was wiederum die Zellen schädigt.

IR-A Strahlen tragen auch zur Hautalterung bei, weil sie die Bildung eines Kollagen abbauenden Enzyms fördern: Viel Sonne bedeutet viele Falten. So einfach ist das.

Leider merken wir nicht, wieviel IR-A Strahlung wir abbekommen haben, denn es gibt keinen Sonnenbrand als Warnzeichen, wie bei den UV-Strahlen und wir können IR-A Strahlen nicht sehen, nur fühlen. Herkömmliche Lichtschutzfilter sind hier machtlos. Die gute Nachricht: Es gibt Sonnenschutzmittel, die mit „Antioxidantien-Cocktail“ gegen IR-A Strahlen schützen.

Der richtige Sonnenschutz

Wie schaffe ich es nur den Weg durch den Dschungel von Produkten zu finden?

Generell sollte man Produkte mit möglichst wenig Inhaltsstoffen wählen, das heißt ohne Parfüm, ohne Duftstoffe und wenn möglich ohne Konservierungsstoffe (die lassen sich nicht immer vermeiden – sie sind wichtig für die Stabilität einer Zubereitung). Kaufen Sie ihren Sonnenschutz lieber nicht erst im Urlaubsland ein, wer weiß schon wie lange er schon in der Sonne brät.

Beginnen wir mit der Wahl des Lichtschutzfaktors.

Ein Lichtschutzfaktor, abgekürzt LSF oder LF gibt an, um welche Zeit ich meine persönliche Eigenschutzzeit verlängern kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. ACHTUNG: Der Lichtschutzfaktor bezieht sich weltweit einheitlich nur auf den Schutz vor UV-B Strahlen, nicht auf UV-A Strahlen!

Man unterscheidet 4 Hauttypen:

Hauttyp 1:

  • Sehr heller Typ mit vielen Sommersprossen, bräunt so gut wie gar nicht, wird eher nur rot
  • Augenfarbe grün oder blau
  • Haare blond oder rot
  • Kann ohne Sonnenschutz nur 5 bis 10 Minuten in der Sonne bleiben ohne dass eine Rötung auftritt (Eigenschutzzeit)

Hauttyp 2:

  • Heller Typ mit Sommersprossen, bräunt wenig
  • Augenfarbe grün oder blau
  • Haare blond
  • Eigenschutzzeit 10 bis 20 Minuten

Hauttyp 3:

  • Bräunt gut, wirkt stets leicht gebräunt
  • Augenfarbe grau bis braun
  • Haare dunkelblond bis braun
  • Eigenschutzzeit 20 bis 30 Minuten

Hauttyp 4:

  • Von Natur aus dunkel, bräunt sehr schnell
  • Augenfarbe dunkelbraun
  • Haare dunkel bis schwarz
  • Eigenschutzzeit 30 bis 40 Minuten

Ein Lichtschutzfaktor verlängert diese Eigenschutzzeit. Steht zum Beispiel auf einer Flasche der Lichtschutzfaktor 10, kann ein Mensch mit Hauttyp 1 statt 5 bis 10 Minuten 50 bis 100 Minuten in der Sonne bleiben ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, ein Mensch mit Hauttyp 4 hingegen 300 bis 400 Minuten. Bitte reizen Sie diese Zeiten nicht bis zum bitteren Ende aus, sondern gehen Sie nach maximal 70% der Zeit aus der Sonne!

UV Index

Dieser international festgelegte Wert beschreibt den zu erwartenden Tagesspitzenwert an UV-B Strahlung (am Boden gemessen). Man kann den Wert telefonisch unter 0900/111543000 erfragen oder im Internet beim Deutschen Wetterdienst (www.dwd.de) nachsehen. Die Werte reichen von 0 bis 13, Deutschland hat einen Maximalwert von 8.

Was fangen wir jetzt damit an?

Nehmen Sie den UV-Index mal 2 (und runden auf), dann haben Sie Ihren benötigten Lichtschutzfaktor! Kinder, Sonnenallergiker und hellhäutige Menschen schlagen auf den Wert mindestens die Zahl 5 auf.

Ein Beispiel: Der maximale UVI in Deutschland beträgt 8, mal 2 = 16, plus 5 = 21. Für Deutschland reicht also Schutzfaktor 20 aus.

Sonnenallergie – die Haut schreit!

Der Urlaub könnte so schön sein, wenn da nicht diese schrecklich juckenden Pusteln wären. Die genauen Ursachen der Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) sind weitestgehend unbekannt.

Eine große Rolle spielen dabei wohl die UV-A Strahlen. Besonders dann, wenn man von jetzt auf gleich in die Sonne fährt ohne einen hohen Sonnenschutz zu verwenden und ohne sich langsam an die Sonneneinstrahlung zu gewöhnen. Hier greift die Regel [UV-Index mal 2] nicht. Ein Sonnenallergiker sollte Schutzfaktor 30 und höher wählen. Einige Firmen befolgen schon die neuen Vorschriften nach denen der UV-A Schutz nur ausgelobt werden darf, wenn er mindestens ein Drittel des UV-B Schutzes beträgt (seit 2009 Pflicht). Daher ist dann der UV-A Schutz um so höher, je höher der UV-B Schutz ist. Andere Firmen halten sich an den australischen Standard, nach dem ein Sonnenschutzprodukt mindestens 90% der UV-A Strahlung herausfiltern muss.

Der Mallorca-Akne Geplagte hat dagegen mit anderen Problemen zu kämpfen. Vor allem am Dekolleté, den Oberarmen und am Rücken finden sich die juckenden, akneähnlichen Pusteln. Das liegt nicht nur an den UV-A Strahlen, sondern auch an bestimmten Stoffen in Sonnencremes und Lotionen. Diese als Emulgatoren bezeichneten Stoffe sorgen dafür, dass Wasser und Fettphase einer Creme sich gleichmäßig vermischen, damit Sie sie gut auftragen können.

Da hilft nur, konsequent auf ein emulgatorfreies Gelprodukt umzusteigen, und zwar schon frühzeitig. Emulgatoren halten sich etwa 24 Stunden in der Haut, daher sollte man schon zu Hause mit dem Verzicht auf die Bodylotion beginnen. Heute gibt es hochwertige nichtklebende Gele ohne Parfüm, Duftstoffe oder Konservierungsstoffe für Gesicht und Körper, die auch gut für ölige Haut geeignet sind. Selbstverständlich sollte auch das After-Sun Produkt ohne Emulgatoren sein.

Übrigens: Nicht alle Gele sind durchsichtig! Es gibt auch Gele, die aussehen wie eine Milch und sich genauso gut verteilen lassen.

Kinder – keine kleinen Erwachsenen

Ein Säugling gehört niemals in die direkte Sonne! Alle Sonnenbrände bis zum Erwachsenenalter merkt sich die Haut. Jeder Sonnenbrand ist wie eine Einzahlung auf ein Hautkrebskonto. Kinder haben nur eine Eigenschutzzeit von ca. 7 Minuten. Erst nach der Pubertät kann der Körper genügend schützendes Melanin bilden, daher verdienen Kinder unsere besondere Aufmerksamkeit. Lassen Sie ihr Kind im Schatten spielen, möglichst mit lockerer Kleidung und Sonnenhut mit Krempe. Zwischen 11:00 Uhr und 15:00 Uhr sollte die Sonne gemieden werden, nicht nur von Kindern.

Nehmen Sie bei Kindern einen hohen Sonnenschutz, der auch die zarte Haut gut pflegt. Besonders gern werden Kinder eingesprüht, vielleicht schaffen Sie es so leichter, zum Beispiel nach dem Planschen im Wasser nachzucremen. Wildes Planschen übersteht selbst ein wasserfestes Präparat nicht. Nachcremen verlängert allerdings nicht den Sonnenschutz, aber es erhält ihn.

Wenn Sie organische Filter ablehnen, gibt es als Alternative Sonnenschutz mit Mikropigmenten. Diese Pigmente dringen nicht in die Haut ein, sie liegen auf der Haut und reflektieren das Licht wie kleine Spiegel. Sorgfältiges Verreiben ist hier oberste Pflicht! Mikropigmente hinterlassen oft einen weißlichen Film auf der Haut, daher hat man bei älteren Kindern Schwierigkeiten mit der Akzeptanz. Für trockene Haut sind Sonnencremes mit Mikropigmenten eher ungeeignet, da sie Fette aus der Haut saugen. Besser geeignet sind Zubereitungen mit Kombinationen aus organischen Filtern und Mikropigmenten, die selbstverständlich auch von Erwachsenen mit trockener Haut oder Neurodermitis verwendet werden können.

Der moderne Sonnenschutz kann reparieren!

High-Tech hin oder her, viele Wirkstoffe oder Wirkprinzipien schauen wir der Natur ab. Eine im Wasser lebende Blaualge mit dem niedlichen Namen Anacystis nidulans produziert das Enzym Photolyase um sich vor Sonnenstrahlen zu schützen. Diesen Naturstoff kann man nachbauen und in Sonnenschutzlotionen integrieren. Das Enzym kann UV-A bedingte Schäden an unserem Erbmaterial unter Lichteinwirkung reparieren. Das kann praktischerweise schon während des Sonnenbadens passieren. Außerdem wird die Unterdrückung des Immunsystems aufgehoben. Photolyase-Produkte gibt es ergänzend auch als After-Sun. Da das Enzym lichtabhängig funktioniert, sollte man fünf Minuten nach dem Auftragen in der Sonne oder im Kunstlicht bleiben.

Sonnenuntergang auf Menorca
Sonnenuntergang auf Menorca

Unsere Haut verfügt auch über einen Reparaturmechanismus. Schadhafte Veränderungen an unserem Erbmaterial können „herausgeschnitten“ werden (dark repair). Dieser Prozess braucht allerdings ca. 16 Stunden.

Tipps für gesundheitsbewusste Sonnenanbeter

  • Vermeiden Sie Sonnenbrände! Tragen Sie den Sonnenschutz schon im Hotel/Ferienhaus etc. auf. Je nachdem wie weit Sie es bis zum Strand haben kann es sein, dass ihre Eigenschutzzeit schon vorbei ist, bevor Sie ankommen. Die Firmen bieten Sonnenschutzprodukte an, die schon nach ca. 5 Minuten wirken.
  • Tragen Sie ausreichend viel Sonnenschutz auf. Viel hilft viel – also nicht geizen! Für den Körper benötigt man bei einer Lotion ca. 25 ml ( ein Schnapspinnchen), bei einem Spray ca. 20 ml.
  • Sonnenschutz hält nicht ewig. Nachcremen sollte man etwa alle zwei Stunden und grundsätzlich nach dem Schwimmen, da ist der Sonnenschutz eher im Handtuch als auf der Haut zu finden. Nachcremen verlängert zwar nicht die Zeit, die Sie in der Sonne bleiben dürfen, aber es erhält den Schutz.
  • Nutzen Sie die Sonnenschutzzeit zu maximal 70% aus, um Hautschäden vorzubeugen.
  • Meiden Sie die Mittagssonne! Zwischen 11:00 Uhr und 15:00 Uhr ist die Sonnenintensität am höchsten (60% der Gesamttagesstrahlung). Denken Sie besonders an die Kinder.
  • Im Schatten braucht man auch Schutz, denn immerhin beträgt die Sonnenintensität dort mindestens 50%. Bei bewölktem Himmel denkt man auch selten an Sonnenschutz, obwohl ca.80% der Strahlung durchkommt. Bitte auch beim Schnorcheln Sonnenschutz nicht vergessen. Selbst bis einen Meter unter die Wasseroberfläche kommt noch Strahlung durch.
  • Für schnellen Schutz beim Fahrrad fahren empfehlen wir nichtklebende, fettfreie Sprays. Für lichter werdende Männerköpfe sind die Sprays ebenfalls hervorragend geeignet.
  • Denken Sie auch daran, ihre Augen zu schützen. Eine gute Sonnenbrille ist nicht nur ein modisches Accessoire, sondern Arznei für unsere Augen.
  • Auch Kleidung ist Sonnenschutz. Die Firma Hyphen (www.myhyphen.de) bietet spezielle Kleidung mit UV-Schutz an, die mehr schützt als normale Kleidung. Denken Sie bei Kindern auch an ein Käppi mit breiter Krempe und Nackenschutz.
  • Verzichten Sie auf Parfum oder parfümierte Deos in der Sonne. Es können sich bleibende dunkle Pigmentflecke bilden.
  • Vorsicht, Lippenherpes! In der Sonne kann es leichter zu Lippenherpes kommen, weil unser Immunsystem geschwächt ist. Außerdem kann Lippengewebe keinen Eigenschutz aufbauen. Bitte benutzen Sie einen Lippenpflegestift mit hohem Sonnenschutzfaktor. Verleihen sollten Sie ihn allerdings nicht. Jedem das Seine.
  • Die Anzahl von 50 (intensiven) Sonnenbädern sollte nicht überschritten werden, raten Hautärzte. Auch der Besuch im Solarium zählt dazu!

Das Motto sollte nicht lauten „Hauptsache Sonne“, sondern „Sonne ist Hautsache“!