Allergien im Anflug

Die liebe Last mit dem Heuschnupfen

Raus an die frische Luft, den Frühling und Sommer genießen! Aber nicht mit mir. Denn mit den ersten Pollen wird für mich als Heuschnupfen-Allergiker die Natur zur Qual.

Heuschnupfen ist eine übersteigerte Reaktion unseres Körpers auf Eiweißstoffe in Blütenpollen. Unser Immunsystem bewertet eigentlich harmlose Partikel als gefährlich und macht sich kampfbereit. Bei der Verteidigung gegen die Pollen entleeren bestimmte Zellen, die sogenannten Mastzellen einen Cocktail aus Entzündungsvermittlern, der unter anderem aus dem Botenstoff Histamin besteht.

Das führt zu den bekannten Heuschnupfensymptomen:

  • angeschwollene Schleimhäute
  • laufende Nase, häufiges Niesen
  • Juckreiz
  • gerötete, tränende Augen
  • Kopfschmerzen
  • eingeschränkter Geruchssinn und auch Geschmackssinn
  • schlechtes Allgemeinbefinden

Heuschnupfen ist kein Zipperlein, sondern eine ernste Erkrankung, weil das Risiko, dass sich die Beschwerden in die Bronchien verlagern und es zu Asthma kommt recht hoch ist. Man spricht dann von Etagenwechsel.

Sommernachmittag an der Mühle

Sommernachmittag an der Mühle

Zusätzlich leiden viele Heuschnupfenpatienten auch oft an Nahrungsmittelallergien. Beispielsweise reagieren Birkenpollenallergiker oft auch auf Kiwis allergisch. Bei diesen Kreuzallergien kann das Immunsystem aufgrund der Ähnlichkeit nicht zwischen beiden Allergenen unterscheiden und reagiert somit auf beide.

Was hilft den Geplagten?

Lokalbehandlung von Augen und Nase

Eine Lokalbehandlung bietet den Vorteil, dass sie recht nebenwirkungsarm ist, da nur wenig Wirkstoff in den Körper aufgenommen wird.

  1. Cromoglycinsäure und Nedocromil

    Beide stabilisieren die Mastzellen um zu verhindern, dass sie ihren Cocktail aus Enzündungsvermittlern entladen. Um die volle Wirksamkeit zu entfalten, sollten sie schon ca. eine Woche vor den Allergiebeschwerden angewendet werden. Da die Wirkung schnell abnimmt, müssen sie vier mal täglich benutzt werden. Augentropfen und Nasentropfen sind einzeln und als Kombipackung erhältlich.

  2. Antihistaminika

    Die Blockade des Entzündungsvermittlers Histamin wird durch die Wirkstoffe Azelastin und Levocabastin erreicht. Sie werden unmittelbar bei Beschwerden des Auges oder der Nase verwendet, weil ihre Wirkung rasch einsetzt. Nach ca. 10 bis 20 Minuten hat man Linderung, eine regelmäßige Anwendung ist nicht nötig. Auch hier haben Sie die Möglichkeit zwischen Einzel- und Kombipackungen zu wählen.

  3. Nasensprays mit dem Wirkstoff Ectoin

    Es entfernt Pollen aus der Nase und unterstützt die körpereigene Schutzbarriere. Der Naturstoff Ectoin bildet einen beruhigenden Hydrofilm.

  4. Kortisonhaltige Nasensprays

    Lokal wirksame Kortikoide verringern die Produktion von Entzündungseiweißen und fahren das Immunsystem dort zurück, wo sie eingesetzt werden. Sie wirken am stärksten entzündungshemmend und antiallergisch. Man nutzt sie vor allem bei schweren Erkrankungen wie chronischem Heuschnupfen mit einer Nasennebenhöhlenentzündung oder asthmatischen Beschweren. Seit Oktober 2016 sind die Wirkstoffe Fluticason und Mometason nicht mehr verschreibungspflichtig.

    Die meisten kortisonhaltigen Nasensprays sind für Patienten ab sechs oder gar 12 Jahren zugelassen. Mometason eignet sich schon für Kinder ab drei Jahren.

    Fluticason hat eine Zulassung für Erwachsene ab 18 Jahren. Es bekämpft nicht nur die Beschwerden an Nase und Augen sondern auch ihre Ursache, die Entzündung der Schleimhäute. Wenden Sie das Spray auch dann an, wenn Sie symtomfrei sind, also täglich während der Allergiesaison. Anwendung: Zwei Sprühstöße pro Tag und Nasenloch, nach Besserung ein Sprühstoß.

Medikamente zum Einnehmen

Hier kommt wieder unser Botenstoff Histamin ins Spiel. Alle gängigen Allergietabletten mit chemischen Wirkstoffen blockieren das Histamin und greifen so in das Entzündungsgeschehen ein. Diese als Antihistaminika bezeichneten Wirkstoffe machten früher oft müde.

Die heute freiverkäuflichen Wirkstoffe Cetirizin und Loratadin bezeichnet man als Antihistaminika der zweiten Generation. 10mg täglich reichen aus, um den spezifischen H1 Rezeptor zu blockieren. Loratadin wirkt sogar noch etwas länger als Cetirizin. Die Wirkung tritt schnell ein und die meisten Patienten vertragen die beiden Wirkstoffe sehr gut.

Während der Therapie mit Cetirizin und Loratadin kommt es manchmal zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Ausschlag und Juckreiz, Kopfschmerzen und Benommenheit. Cetirizin kann vereinzelt müde machen und sollte deshalb abends eingenommen werden. Bei Personen, die sich stark konzentrieren müssen, ist Loratadin eher zu empfehlen.

Raus an die frische Luft, den Frühling und Sommer genießen

Frühling und Sommer an der frischen Luft genießen

Allergiker, die mit Loratadin und Cetirizin nicht auskommen, haben die Chance, mit den rezeptpflichtigen Antihistaminika der dritten Generation der Allergie den Garaus zu machen. Desloratadin und Levocetirizin sind hier die gängigsten Wirkstoffe. Dosierung: Einmal täglich 5mg.

Homöopathie

Die Einnahme homöopathischer Tabletten sollte bereits beginnen, bevor die Beschwerden ihren Höhepunkt erreichen. Ziel ist auch die Anregung der Selbstheilungskräfte. Ein Präparat der Firma DHU (www.dhu.de) enthält die Bestandteile Luffa operculata (Schwammgurke), Galphimia glauka (kein deutscher Name bekannt) und Cardiospermum (Ballonrebe). Niesreiz, verstopfte Nase, Juckreiz, tränende Augen und Bindehautentzündung können bekämpft werden. Es sind Tropfen und Tabletten im Handel, wobei homöopathische Tabletten nicht geschluckt werden: Man lässt sie unter der Zunge zergehen.

Desensibilisierung (verschreibungspflichtig)

Viele Allergiker kennen die Desensibilisierung (unempfindlich machen) als „Spritzentherapie“. Dabei bekommt man „seine“ Allergene in wachsender Konzentration unter die Haut gespritzt, um den Körper an die Allergene zu gewöhnen. Dafür muss man natürlich regelmäßig zum Arzt gehen, der zum einen die Spritze setzen muss und zum anderen Rezepte über die Desensibilisierungslösung ausstellt. Die Lösung wird dann bei der entsprechenden Firma hergestellt und liegt in ihrer Apotheke zur Abholung bereit.

Seit einiger Zeit gibt es eine Erleichterung für alle Gräserpollenallergiker!
Eine Tablette mit gefriergetrockneten Allergenen aus Graspollen (alle Arten von Gräsern). Sie wird unter die Zunge gelegt wie homöopathische Tabletten und muss nicht gekühlt werden. Die Therapie sollte zwei (besser vier) Monate vor der Graspollensaison beginnen und dauert ca. 3 Jahre. Auch die Tabletten sind verschreibungspflichtig, daher wird es hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Sal-Weide

Sal-Weide

Tipps für Heuschnupfengeplagte

  • Regen bringt Segen! Vermeiden Sie bei hoher Pollenbelastung den Aufenthalt im Freien. Nach einem kräftigen Regenguss ist die Luft wie reingewaschen, man kann besser atmen.
  • Informieren Sie sich über die täglichen Pollenflugvorhersagen.
    WO? WIE? Am besten gleich hier bei uns →.
    Oft bieten auch die regionalen Radiosender diesen Service an, oder Sie schauen im Internet auf der Seite des deutschen Wetterdienstes nach. (www.dwd.de)
  • Schützen Sie Ihre Augen. Tragen Sie im Freien eine Sonnenbrille. Schon kommen weniger Pollen in die Augen
  • Lassen Sie im Auto bei starkem Pollenflug die Fenster zu und die Lüftung aus. Es sei denn, es ist ein Feinstaubfilter eingebaut. Diese müssen aber auch mal erneuert werden.
  • In der Wohnung sollte täglich Staub gesaugt werden (möglichst nicht vom Allergiker selbst). Auch für Staubsauger gibt es Mikrofilter, damit der Staubsauger nicht zur Pollenschleuder wird. Staubsaugerbeutel häufig wechseln.
  • Vermeiden Sie Wiesenblumensträuße in der Wohnung. (Hatschi)
  • Spülen Sie sich abends die in den Haaren hängen gebliebenen Pollen aus, bevor Sie ins Bett gehen.
  • Nachts Fenster geschlossen halten.
  • Legen Sie die getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ab. Ohne Pollen schläft es sich besser.

Hinweis

Vermeiden Sie eine längere Anwendung von Erkältungsnasensprays mit abschwellenden Wirkstoffen. Sie trocknen die Nasenschleimhäute aus und führen schnell zur Gewöhnung. Verwenden Sie möglichst unkonservierte Nasensprays, weil die Konservierungsstoffe die Flimmerhärchen und die Hornhaut schädigen und selbst zu Allergien führen. Kurzfristige Anwendung (möglichst unter sieben Tage) ist in Ordnung, wenn man beispielsweise abends eine verstopfte Nase schnell freibekommen möchte. Schließlich ist erholsamer Schlaf auch wichtig, besonders wenn man tagsüber von Pollen gequält wird.

Wir wünschen Ihnen eine beschwerdefreie Zeit!

Hafer – Arzneipflanze des Jahres 2017

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg hat für das Jahr 2017 den Hafer (Avena sativa) als Arzneipflanze des Jahres ausgezeichnet.

Hafer war ursprünglich eine sekundäre Kulturpflanze, die zunächst als unerwünschter Begleiter von anderen Getreidearten auftrat. Erst später (100 v. Chr.) erkannte man sein breites Einsatzspektrum und baute ihn an.

Der Hafer besteht gleich aus drei verschiedenen Heilmitteln: Haferkraut (Avenae herba), Haferstroh (Avenae stramentum), und der Haferfrucht (Avenae fructus).

Haferkraut (Avenae herba)

Noch bevor das Getreide blüht, wird es abgeerntet, um das Haferkraut optimal nutzen zu können. Haferkraut hat einen hohen Anteil an Saponinen, Mineralien und entzündungshemmenden Flavonoiden.

Zubereitungen aus Haferkraut verwendet man bei Angst- und Spannungszuständen. Sie wirken beruhigend und schlaffördernd, teilweise auch krampflösend und entspannend. Auch bei Hauterkrankungen, Bindegewebsschwäche und Blasenschwäche findet Haferkraut Verwendung. Außerdem soll Hafertee den Harnsäurespiegel des Blutes senken.

Haferstroh (Avenae stramentum)

Durch den hohen Anteil an Kieselsäure wird das Haferstroh gerne als Bad aufbereitet. Diese Bäder wirken Juckreiz lindernd. In der Volksmedizin nutzt man die Bäder auch bei Gicht, Rheuma, Lebererkrankungen und bei Hautleiden.

Haferfrüchte (Avenae fructus)

Das Haferkorn kennen wir in der Küche in Form von Haferflocken, Hafergrütze, und als Hafermehl. Mittlerweile wird auch die Hafermilch immer beliebter. Das vollreife Korn enthält viele lösliche Ballaststoffe und hat einen hohen Anteil an Mineralstoffen, Vitaminen und Proteinen. Hafer enthält viele leicht verdauliche Kohlehydrate, sodass er ein schneller Energielieferant ist, aber trotzdem leicht verdaulich.

Haferdrink

Haferdrink

Die im Haferkorn enthaltenen Schleimstoffe quellen in Berührung mit Wasser auf. Diese Eigenschaft macht man sich bei Entzündung der Magenschleimhaut zunutze, weil sich die Schleimstoffe als schützender Film auf die angegriffene Schleimhaut legen. Für Vegetarier ist das Haferkorn ein guter Eisenlieferant. Das enthaltene Biotin ist wichtig für Haare und Nägel. Zink wirkt entzündungshemmend und unterstützt die reine schöne Haut. Hafer wirkt außerdem Cholesterin-Spiegel-senkend.

Hafer wird immer beliebter in unserer Küche. Ein Trend-Frühstück ist zum Beispiel Porridge, wobei Haferflocken als Grundzutat dienen. Ganz oft finden wir Haferflocken bei den Eat-smarter Rezepten.

Porridge

Porridge

Auch „äußerlich“ ist Hafer trendy. So finden wir immer öfter Haferauszüge in Shampoos. In England wird eine Hautcreme gegen Sonnenbrand produziert, die Haferschleim enthält. Als Bad wird das Haferstroh als Sud aufbereitet. Man kocht 100g Haferstroh in drei Liter Wasser ungefähr 20 Minuten, seiht es ab und gibt es dem Badewasser zu.

In der Homöopathie hat der Hafer ebenfalls eine große Bedeutung. Verarbeitet wird hier die blühende Haferpflanze mit Blüte, Blättern und Stängeln.

Wen der Hafer sticht

Jeder kennt das Sprichwort „Dich hat wohl der Hafer gestochen“. Was steckt dahinter? Psychotrope Substanzen wirken auf das zentrale Nervensystem. Hafer enthält den Weckaminen ähnliche Stoffe, die sich positiv auf die Stimmung auswirken und dazu beitragen können, die Wintermüdigkeit zu vertreiben.

Also dann, ran an den Hafer!

Rauchst du noch oder lebst du schon?

Endlich Wochenende. Ich möchte mich von der Arbeit erholen, und ein paar Tage mit dem Zug verreisen. Gut gelaunt packe ich meine Reisetasche und studiere schon mal den Zugfahrplan. Plötzlich überfällt mich der Gedanke, wann ich denn meine nächste Zigarette rauchen kann. In der heutigen Zeit herrscht Rauchverbot im Taxi, auf dem Bahnhof, und mittlerweile auch in den Zügen. Fast kommt Panik bei mir auf. Statt mich auf das schöne Wochenende zu freuen, quält mich mal wieder meine Nikoninsucht.

Fluppe, Ziggi, Glimmstängel, Sargnagel, Kippe, Nikotinstäbchen, Zichte. Alles Synonyme für etwas, was sowohl Genuss als auch Leiden schafft. Der Begriff Sargnagel trifft den Nagel auf den Kopf wenn man bedenkt, was alles in einer Zigarette steckt. Etwa 3800 verschiedene Stoffe finden wir im Tabakrauch, und davon sind ungefähr 40 krebserregend. Sogar radioaktive Stoffe sind in einer Zigarette enthalten. Erstaunlich, nicht wahr?

Einige Stoffe – erwähnt sei hier das Acetaldehyd – erhöhen sogar die Suchtwirkung um das Doppelte.

Stopp das Rauchen
Stopp das Rauchen

Wer die Ausstellung „Körperwelten“ kennt, weiß was unter dem Begriff der Raucherlunge zu verstehen ist. Bei einem täglichen Konsum von etwa 20 Zigaretten hat ein Raucher nach einem Jahr eine Tasse voll Teer in der Lunge. Eine beunruhigende Vorstellung.

Wir wollen hier nicht allzu viel über die Gefahren des Rauchens schreiben, denn Winston Churchil sagte einmal sehr treffend: „Ein leidenschaftlicher Raucher, der immer von der Gefahr des Rauchens liest, hört in den meisten Fällen auf – zu lesen!“

Bei vielen Jugendlichen ist es zur Zeit „trendy“ in einer gemütlichen Sitzung eine Wasserpfeife (Shisha) zu rauchen. Wer allerdings denkt das sei eine harmlose Alternative zum Zigaretten rauchen, irrt gewaltig. Sowohl die gesundheitsschädlichen als auch die süchtigmachenden Substanzen sind im Rauch der Wasserpfeife zu finden. Bei so einer gemütlichen Sitzung wird laut WHO so viel Rauch wie von 100 Zigaretten inhaliert.

Was geht bei einem Raucher im Kopf vor?

Während des Rauchens passiert im Gehirn einiges, und zwar ganz schnell. Das Nikotin gelangt gebunden an Teerteilchen mit dem inhalierten Rauch in die Lunge. Während der Teer in der Lunge verbleibt, gehen die Nikotin-Moleküle weiter ins Blut und von da aus in Richtung Gehirn. Ganze sieben Sekunden sind bis zum Erreichen des Gehirns vergangen. Nikotin-Moleküle suchen sich bestimmte Andockstellen (Rezeptoren). Hier passen sie wie ein Schlüssel in ein Schloss, und bewirken die Freisetzung des Botenstoffes Dopamin, ein Stoff, der Teil unseres eigenen Belohnungssystems ist. Es entsteht ein Glücksgefühl, und dieses Gefühl möchten wir möglichst oft wiederholen.

Dass es überhaupt zur Sucht kommt, hängt mit diesem Glücksgefühl zusammen. Alle Suchtmittel aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn. Dieses überlebenswichtige System verbindet Dinge wie Essen, Trinken, Sex, soziale Bindungen mit einem Lustgefühl. Drogen schaffen das leider auch. Nikotin ist übrigens eine der am schnellsten süchtig machende Droge. Im Verlauf der Sucht nimmt die Anzahl der Andockstellen im Gehirn zu, gleichzeitig werden sie aber unempfindlicher. In der Folge brauchen wir mehr Nikotin um alle Andockstellen zu besetzen, damit möglichst viel Dopamin produziert wird. Immer wieder möchten wir dieses Glücksgefühl. Es scheint so, als ob die Sucht in unser Gehirn einprogrammiert wäre, und es ist gar nicht so einfach, dieses Programm wieder zu löschen.

Rauchstopp lohnt sich immer!

Was passiert in meinem Körper, wenn ich mir das Rauchen abgewöhne?
Nikotin macht sowohl körperlich als auch psychisch abhängig. Daher können auch körperliche Beschwerden auftreten, wenn die vielen Rezeptoren im Gehirn wie hungrige Mäuler auf Nikotinnahrung warten und wir sie verhungern lassen. Da Sucht bei verschiedenen Menschen auch verschieden ausgeprägt ist, kann der eine vorübergehend starke Beschwerden haben, während der andere wenig merkt.

Folgende Beschwerden können auftreten:

  • Angst / Unruhe
  • Schlechte Laune / Reizbarkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Gier nach Zigaretten

Während die körperlichen Symptome recht schnell wieder abklingen, ist unsere Psyche schwerer zu besiegen. Meist ist es eine ganz bestimmte Zigarette, auf die man besonders ungern verzichtet. Das kann die erste Zigarette am Morgen sein, die nach dem Essen, nach dem Sex, oder auch die in einer geselligen Runde. Für die meisten ist es auch schwer, andere rauchen zu sehen und etwas von dem Rauch abzubekommen. Da hilft dann leider nur die Vermeidungsstrategie.

Rauchstopp lohnt sich immer
Rauchstopp lohnt sich immer

Die meisten Medikamente zur Raucherentwöhnung enthalten genau den Suchtstoff, von dem Sie entwöhnen wollen: Das Nikotin. Dafür enthalten sie keine anderen schädlichen Begleitsubstanzen wie Teer, Blausäure, Benzol, Kohlenwasserstoffe und viele andere die wir mit jeder Zigarette aufnehmen.

Hilfen für ein rauchfreies Leben bei starker körperlicher Abhängigkeit

Nikotinpflaster

Die Pflaster gibt es in verschiedenen Wirkstärken. Sie richtet sich nach dem jeweiligen Rauchverhalten. Ein Raucher, der mehr als 20 Zigaretten täglich über Jahre geraucht hat, sollte immer mit dem stärksten Pflaster beginnen. Nur so bekommt er seine Entzugssymptome in den Griff und kann sich darauf konzentrieren, die psychische Abhängigkeit zu bekämpfen. Dann wird allmählich herunterdosiert. Diese Methode ist eine absolute STOPP-Methode. Sobald das erste Pflaster klebt, darf nicht mehr geraucht werden. Sonst bekommt man zu viel Nikotin ab. Deshalb eignen sich die Pflaster auch nicht dazu, auf Langstreckenflügen das Rauchverlangen zu mildern. Schließlich rauchen die meisten Raucher sofort nach der Ankunft die heiß ersehnte Zigarette.

Nikotinkaugummis

Die Kaugummis sind hervorragend geeignet für diejenigen Personen, die nicht abrupt mit dem Rauchen aufhören wollen sondern langsam abdosieren möchten. Da es die Kaugummis jetzt auch mit 4 Milligramm Nikotin gibt, können auch starke Raucher (mehr als 20 Zigaretten) ihr Verlangen stillen. Für Personen mit einem unregelmäßigen Rauchverhalten reichen Kaugummis mit 2 Milligramm Wirkstoff. So lässt sich die ein oder andere Zigarette ersetzen, die man seinen Kollegen nicht vorrauchen will oder darf.

Sie können sogar wählen, ob der Kaugummi nach Früchten oder Pfefferminz schmecken soll. Es gibt auch die Geschmacksrichtungen „freshmint“ und „classic“.

Achtung! Die richtige Kautechnik ist entscheidend: Die Kaugummis müssen langsam gekaut werden, bis ein pfeffriger Geschmack entsteht. Ist der Geschmack da, wird der Kaugummi in der Backentasche geparkt, bis der Geschmack wieder nachläßt. Dann wird wieder gekaut. Diese Prozedur wird dreißig Minuten durchgeführt. Danach darf dreißig Minuten nicht geraucht werden. Die Höchstdosis liegt bei sechzehn Kaugummis pro Tag.

Nikotinlutschtabletten

Diese Variante ist einfach und diskret. Wie bei den Kaugummis wird das Nikotin über die Mundschleimhaut aufgenommen. Die Tabletten werden unter die Zunge gelegt, das lästige Kauritual entfällt. Nach zwanzig bis dreißig Minuten hat sich die Tablette aufgelöst. Sie kann aber auch früher herausgenommen werden. Auch hier ist eine Anwendung pro Stunde erlaubt.

Wie bei allen Medikamenten gibt es auch bei den Nikotinpräparaten Erkrankungen, bei denen sie nicht eingesetzt werden sollten.
Dazu gehören:

  • Ein frischer Herzinfarkt
  • Schwere Herzrhythmusstörungen
  • Ein vor kurzem aufgetretener Schlaganfall
  • Andere Gefäß- und Hauterkrankungen
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Insulinpflichtiger Diabetes
  • Magen-Darm-Geschwüre

Sollten solche Risikoerkrankungen bestehen, muss auf jeden Fall der behandelnde Arzt mit einbezogen werden. Dass man bei solchen Erkrankungen sowieso nicht rauchen sollte, versteht sich von selbst.

Rauchfreies Leben
Rauchfreies Leben

Nikotinfreie Methoden zur Raucherentwöhnung

Bupropion

wurde ursprünglich als Antidepressivum eingesetzt. Durch Zufall fand man heraus, dass die Personen, die dieses Mittel unter Aufsicht eingenommen haben, die Lust am Rauchen verloren.

Was macht Bupropion?

Bupropion hält die Konzentration von Dopamin im Gehirn wird konstant. Somit kommt es zu keinen Entzugssymptomen. Das Mittel besetzt nicht die gleichen Rezeptoren wie das Nikotin, daher ist keine suchtauslösende Wirkung da. Leider hat Bupropion gravierende Nebenwirkungen und wird deshalb nicht mehr oft eingesetzt. Bupropion ist verschreibungspflichtig.

Vareniclin

Eine recht neue Tablette, deren Wirkstoff an den gleichen Bindungsstellen andockt wie die Nikotin-Moleküle. Es wird ebenfalls Dopamin freigesetzt, aber nicht so viel wie bei Nikotin. Da unser Belohnungssystem also nicht ganz ausgeschaltet wird, werden die Entzugssymptome gemildert. Noch etwas passiert durch den Wirkstoff Vareniclin: Wird eine Zigarette geraucht, bleiben die positiven Gefühle aus, weil Vareniclin die Nikotin-Moleküle nicht an die Bindungsstellen heranlässt.

Die Therapie dauert etwa drei Monate. Ein bis zwei Wochen nach Beginn der Therapie soll der Patient das Rauchen aufgeben. Vareniclin ist ebenfalls verschreibungspflichtig.

Homöopathie

Eine Möglichkeit, den Schmacht nach Zigaretten mit homöopathischen Mitteln zu besiegen, ist Tabaccum LM 6 von Arcana.

Akupunktur

Kleine Nadeln, die an bestimmte Punkte ins Ohr gesetzt werden. Diese Methode erfordert in der Regel etwa zehn „Sitzungen“ bei einem erfahrenen Akupunkteur. Leider wird von den Kosten, die in jedem Fall über 100 Euro liegen, nichts von der Krankenkasse erstattet.

Für welche Methode Sie sich auch entscheiden: Ohne einen festen Willen läuft gar nichts. Kein Raucher wird aufhören, um jemandem einen Gefallen zu tun, oder weil der Arzt es empfiehlt. Machen Sich sich klar, dass Sie das für Sich tun. Sie sparen das Geld, Sie leben gesünder, Sie sind kein Sklave Ihrer Zigaretten mehr.

Damit Sie nicht denken, nach jahrelanger Raucherei ist eh nichts mehr zu retten:

  • Nach zwanzig Minuten normalisieren sich Körpertemperatur, Puls und Blutdruck.
  • Nach vierundzwanzig Stunden fühlt man sich fitter, weil der Kohlenstoffdioxid-Gehalt sinkt und im Blut wieder mehr Sauerstoff ist.
  • Nach ein bis zwei Tagen ist das Nikotin aus dem Körper verschwunden. Geruchs- und Geschmackssinn kommen wieder.
  • Nach einer Woche fällt das Atmen deutlich leichter.
  • Nach drei bis neun Monaten geht der Raucherhusten zurück. Das Immunsystem wird gestärkt, die Lungenfunktion wird besser.
  • Nach ein bis zwei Jahren geht das Herzinfarktrisiko auf die Hälfte zurück.
  • Nach zehn Jahren ist das Lungenkrebsrisiko halbiert.
  • Nach fünfzehn Jahren gleicht das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko dem eines Nichtrauchers.

Das sind doch gute Aussichten, oder? Auch wenn es mit der Disziplin mal hapern sollte, das ist auch kein Beinbruch. Hauptsache man bleibt am Ball.

Allerdings sollte man sich nie der Illusion hingeben, dass eine Zigarette nichts ausmacht, nach dem Motto „eine ist keine“. Unterschätzen Sie nicht das Suchtgedächnis. Es ist da, und es ist stark. Seien Sie stärker!

Wir unterstützen Sie gerne. Sprechen Sie uns an.

Naturheilkunde bei Tieren

In jedem dritten deutschen Haushalt lebt ein Haustier, und immer mehr Tierhalter interessieren sich dafür, ihren Liebling mit homöopathischen oder pflanzlichen Therapien zu behandeln.

Es gibt einige Firmen ( Heel, Weravet, cdVet, PerNaturam ), die naturheilkundliche Präparate speziell für Tiere herstellen. Die meisten homöopathischen und pflanzlichen Produkte kommen allerdings aus dem Humanbereich. Die Firma DHU bietet viele homöopathische Mittel für Mensch und Tier in unterschiedlichen Stärken an. Andere Firmen wie Pflüger, Pascoe oder Phönix stellen Komplexmittel her, die ebenfalls bei Haustieren gegeben werden dürfen.

Auto bleibt heute stehen
Auto bleibt heute stehen

Tropfen, Tabletten, Ampullen oder Globuli?

Tropfen enthalten meistens Alkohol. Der Alkohol wird von den meisten Tieren nicht akzeptiert. Speziell Katzen vertragen keinen Alkohol. Deshalb eignen sich Tropfen nicht.

Tabletten eignen sich. Hunden gibt man eine halbierte oder eine ganze Tablette direkt ins Maul. Diese Methode ist bei Katzen oder Nagern in den meisten Fällen nicht möglich. Die Gabe sollte aber möglichst stressfrei sein. Zermörsen Sie die Tabletten einfach, und geben Sie das Pulver mit etwas Naturjoghurt oder Quark. Bei Meerschweinchen können Sie die Tagesdosis Pulver auch ins Trinkwasser geben.

Ampullen müssen nicht zwingend injiziert werden. Das bereitet nicht nur den meisten Haustieren, sondern auch dem Tierhalter Stress. Die Tagesdosis spritzt man dem Tier direkt ins Maul (ohne Nadel), oder ins Trinkwasser. Auch hier kann man wie bei den zermörserten Tabletten, die Flüssigkeit mit Naturjoghurt, Quark oder etwas Nassfutter mischen.

Globuli eignen sich ebenfalls. Optimal ist die direkte Gabe auf die Zunge oder hinter die Lefze. Wenn sich das Tier wehrt, verabreicht man die Globulis wieder mit Quark, Naturjoghurt, oder Nassfutter als Extra-Leckerli.

Relax
Relax

Sie kennen Ihren Liebling am besten, und wissen, wie Sie ihn überlisten. Weil alle homöopathischen Mittel über die Mund- bzw Maulschleimhaut wirken, sollte bei der Eingabe ein direkter Kontakt zu den Schleimhäuten bestehen. Wenn Ihr Tier mitspielt, dann optimal direkt hinter die Lefze oder auf die Zunge damit! Jedes Tier ist individuell, aber Katzen akzeptieren generell orale Medikamente schlechter als Hunde. Da wird meist schon vor der Einnahme Speichelfluss ausgelöst. Aber auch Hunde zeigen Abwehrreaktionen wie Speichelfluss oder Inappetenz. Nehmen Sie diese Reaktion ernst und betrachten Sie sie wie eine Unverträglichkeit. Bitte keine Zwangseinnahmen!

Phytotherapie setzen viele mit Homöopathie gleich. In der Phytotherapie sind Pflanzen in materiellen Dosen enthalten. Das Arzneimittel riecht oder schmeckt bitter oder intensiv, und die Tiere lehnen es deshalb ab. Homöopathie gilt als feinstoffliche, energetische Medizin. Der unangenehme Geruch fehlt, so dass auch Katzen und sensible Hunde die Behandlung akzeptieren.

Wie dosieren?

Die Dosierung ist bei pflanzlichen und chemischen Arzneimitteln entscheidend, weil eine Wirkstoffkonzentration aufgebaut wird. Die meisten pflanzlichen Produkte sind für den Menschen zugelassen, können aber auch für Tiere eingesetzt werden. Faustregel bei der Dosierung: „Mensch entspricht Schäferhundgröße.“ Entsprechend wird auf kleinere Tiere umgerechnet.

Homöopathische Arzneimittel haben kein Dosis-Wirkungs-Verhältnis, weil es sich hier um die Regulationstherapie handelt, bei dem der„aus dem Gleichgewicht geratenen“ Organismus wieder in den Zustand des Gleichgewichts zurückgebracht werden soll. Hier hilft viel nicht viel und es ist unerheblich, ob das Tier drei oder vier Globulis bekommt.

Gesetzgebung

Apotheken- und verschreibungspflichtige Arzneimittel, die für Lebensmittel liefernde Tiere bestimmt sind, dürfen nur auf Rezept entweder vom Tierarzt oder durch die Apotheke direkt an den Tierhalter ausgehändigt werden.

Der Equidenpass gibt Auskunft über das Pferd als Haustier
Der Equidenpass gibt Auskunft über das Pferd als Haustier

Pferde, Rinder, Schweine und Schafe gehören zu den Lebensmittel liefernden Tieren. Es sind Tiere, die Produkte zur menschlichen Ernährung liefern. Auch beliebte Haustiere wie Hasen und Kaninchen zählen dazu, wenn sie zur Schlachtung vorgesehen sind. Das bedeutet für den Tierhalter:

  • Die Anwendung apothekenpflichtiger Homöopathika, die nicht für die zu behandelnden Tiere zugelassen sind, darf bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, nur mit tierärztlicher Behandlungsanweisung erfolgen.
  • Anwendungsgebiete, Dosierung und Anwendungsdauer streng beachteten!
  • Alle Anwendungen sind vom Tierhalter in einem Bestandsbuch zu dokumentieren.
  • Eingesetzt werden dürfen nur apothekenpflichtige Homöopathika, die für Tiere zugelassen und registriert sind.

Für als Heimtiere gehaltene Kaninchen und Hasen, und für Pferde gibt es gesetzliche Ausnahmen. Hier erklärt der Tierhalter unwiderruflich, dass sein Vierbeiner von der Lebensmittelgewinnung ausgeschlossen wird. Diese Erklärung bleibt auch bei Besitzerwechsel bestehen. Pferde nehmen eine Sonderstellung ein. Der Equidenpass gibt Auskunft über die Verwendung als Haustier.

Das deutsche Arzneimittelgesetz unterscheidet auch bei homöopathischen Arzneimitteln streng zwischen Humanarzneimitteln und sogenannten Tierarzneimitteln. Diese Mittel tragen den Zusatz „ad us. Vet.“ = zum tierarzneilichen Gebrauch, und sind für den ausschließlichen Einsatz beim Tier vorgesehen.

Ist das Tier krank, leidet der Mensch

Und der Mensch meint es manchmal zu gut. Er gibt dann etwas, was ihm selbst gut geholfen hat. Das kann fatale Folgen haben.

No go:
Kein Teebaumöl für Katzen. Teebaumöl wird fälschlicherweise gegen Parasiten ins Fell geträufelt. Allerdings enthält Teebaumöl Terpene, Phenole und andere ätherische Öle. Der Abbaumechanismus für ätherische Öle funktioniert bei der Katze nur sehr langsam. Es kommt zu Vergiftungserscheinungen mit Zittern, Taumeln, Unruhe und Schwäche.

"Lebensmittel
"Lebensmittel lieferndes" Tier?

Schwierig wird es auch bei Schmerzmitteln. Schon bei 8 mg pro Kg Körpergewicht Ibuprofen kommt es bei Hunden und Katzen zu Vergiftungserscheinungen. Acetylsalicylsäure ( Aspirin, ASS) führt bei Katzen zu Leber und Nierenerkrankungen. Verabreichen Sie es nicht ohne tierärztlichen Rat. Hundewelpen unter einem Jahr und Katzen sollten auch nicht mit Paracetamol behandelt werden. Bei Katzen endet die Gabe von Paracetamol oft tödlich.

Vorsicht bei Salben! Die Vierbeiner schlecken die Salbe gerne wieder ab. Durch das permanente Schlecken vergrößert sich die Wunde nur noch weiter.

Anwendungsgebiete

Durchfall:

  • Beim Hund: Tannacomp Tbl, Perenterol 250 mg Kapseln, Nux vomica D6, Arsenic. Alb. D6
  • Bei der Katze: Perenterol junior Pulver, Nux vomica D6, Arsenicum album D6
  • Beim Pferd: Weravet 8 Dysenteral Tr, Eichenrinde, Schwarztee
  • Beim Rind, Schwein, Schaf, Ziege: Weravet 8 Dysenteral Tr.

Übelkeit und Erbrechen:

  • Beim Hund: Weravet 5 Vomisal Tr.
  • Bei der Katze: Weravet 5 Vomisal Tr.
  • Beim Pferd: Weravet 5 Vomisal Tr.
  • Beim Rind,Schwein,Schaf, Ziege: Weravet 5 Vomisal Tr.

Tränende Augen:

  • Beim Hund: Oculoheel ad us. vet.Dexpanthenol Augensalbe, Euphrasia
  • Bei der Katze: Oculoheel ad us. vet.Dexpanthenol Augensalbe, Euphrasia
  • Beim Pferd: Oculoheel ad us. Vet., Dexpanthenol Augensalbe, Euphrasia
  • Beim Rind,Schwein,Schaf, Ziege: Oculoheel ad us. Vet.

Verletzungen:

  • Beim Hund: Zeel, Traumeel, Staphisagria D6, Arnica D6
  • Bei der Katze: Zeel, Traumeel T Gel, Arnica D6
  • Beim Pferd: Zeel, Traumeel, Rhus tox D6

Man könnte diese Aufzählung noch endlos ausdehnen. Besser ist es jedoch, den Tierarzt aufzusuchen, den Tierhomöopathen oder die Apotheke, um über gezielte Fragen das bestgeeignete Mittel für Ihren Liebling zu finden.

Homöopathie – nur ein Modetrend?

Nein. Ganz bestimmt nicht, denn sonst würde sich dieses ganzheitliche Behandlungsverfahren nicht schon über mehrere hundert Jahre halten. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich umstritten, weil die Wirksubstanzen teilweise so stark verdünnt werden, dass sie chemisch gesehen gar nicht mehr vorhanden sind.

Homöopathen gehen davon aus, dass die Wirkung durch die spezielle Verdünnung nicht nachlässt, sondern sich verstärkt.

Bei der Stärke spricht man von Potenzen, lateinisch “potentia“ = Kraft.
D steht für Dezimal und die Zahl dahinter gibt die Höhe der durchgeführten Verdünnungsschritte an.

„Antike Feinwaage

Antike Feinwaage

D3 wird folgendermaßen hergestellt:
Die Grundsubstanzen werden aus Mineralien, Pflanzen und Tiergiften gewonnen. Aus löslichen Mineralien und Pflanzen gewinnt man zunächst die Urtinkturen und Lösungen, die wiederum mit einem Wasser/Alkoholgemisch schrittweise verdünnt werden:

  • D1 = 1Teil Urtinktur und 9 Teile Wasser/Alkohol plus 10 Schüttelschläge
  • D2 = 1Teil dieser Verdünnung und 9 Teile Wasser/Alkohol plus 10 Schüttelschläge
  • D3 = 1Teil dieser Verdünnung und 9 Teile Wasser/Alkohol plus 10 Schüttelschläge

Bei nicht löslichen Stoffen werden Verreibungen „Triturationen“ hergestellt. Dabei werden die Feststoffe mit Milchzucker verrieben.

Globuli sind Streukügelchen, die im ersten Schritt aus Rohrzucker hergestellt werden. Erst im zweiten Schritt imprägniert man sie mit dem homöopathischen Wirkstoff. Globulis gibt es in verschiedenen Größen und Potenzen.

Jeden Verschüttelungs- und Verreibungsprozess führen bei der DHU, der Deutschen Homöopathischen Union, Mitarbeiter per Hand nach den Vorschriften des Dr. Samuel Hahnemann aus. Die Herstellungsanweisung ist im HAB, dem Homöopathischen Arzneibuch verzeichnet.

„Verreibung

Verreibung im Pulvermörser

Bei der Homöopathie steht nicht eine bestimmte Erkrankung, sondern der Mensch insgesamt im Zentrum. Deshalb werden auch oft für den Laien merkwürdige Fragen gestellt. Möchte man etwas gegen die Hautausschläge in den Handinnenflächen haben, so muss man sich die Frage gefallen lassen, ob man Probleme mit dem Darm hat. So wählt ein Homöopath erst nach umfassender Befragung eine individuell passende Wirksubstanz aus.

Der Begründer der Homöopathie Dr. Samuel Hahnemann stellte folgende Regel auf: Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden. „Similia similibus curentur“. Es werden solche Stoffe eingesetzt, die bei Gesunden Symptome hervorrufen, die den Beschwerden des Kranken ähneln. So wird Urtica, die Brennessel gegen Nesselsucht gegeben, oder Coffea bei Schlafstörungen.

Die Homöopathie sieht die Krankheitssymptome als Selbstheilungsversuch des Körpers. Diese sollen verstärkt, und nicht unterdrückt werden. So dienen die homöopathischen Mittel als Unterstützung der Selbstheilungskräfte.

Wenn der Organismus nicht mehr die Fähigkeit besitzt zu regulieren und zu reagieren, stößt die Homöopathie allerdings an ihre Grenzen.