Allergien im Anflug

Die liebe Last mit dem Heuschnupfen

Raus an die frische Luft, den Frühling und Sommer genießen! Aber nicht mit mir. Denn mit den ersten Pollen wird für mich als Heuschnupfen-Allergiker die Natur zur Qual.

Heuschnupfen ist eine übersteigerte Reaktion unseres Körpers auf Eiweißstoffe in Blütenpollen. Unser Immunsystem bewertet eigentlich harmlose Partikel als gefährlich und macht sich kampfbereit. Bei der Verteidigung gegen die Pollen entleeren bestimmte Zellen, die sogenannten Mastzellen einen Cocktail aus Entzündungsvermittlern, der unter anderem aus dem Botenstoff Histamin besteht.

Das führt zu den bekannten Heuschnupfensymptomen:

  • angeschwollene Schleimhäute
  • laufende Nase, häufiges Niesen
  • Juckreiz
  • gerötete, tränende Augen
  • Kopfschmerzen
  • eingeschränkter Geruchssinn und auch Geschmackssinn
  • schlechtes Allgemeinbefinden

Heuschnupfen ist kein Zipperlein, sondern eine ernste Erkrankung, weil das Risiko, dass sich die Beschwerden in die Bronchien verlagern und es zu Asthma kommt recht hoch ist. Man spricht dann von Etagenwechsel.

Sommernachmittag an der Mühle

Sommernachmittag an der Mühle

Zusätzlich leiden viele Heuschnupfenpatienten auch oft an Nahrungsmittelallergien. Beispielsweise reagieren Birkenpollenallergiker oft auch auf Kiwis allergisch. Bei diesen Kreuzallergien kann das Immunsystem aufgrund der Ähnlichkeit nicht zwischen beiden Allergenen unterscheiden und reagiert somit auf beide.

Was hilft den Geplagten?

Lokalbehandlung von Augen und Nase

Eine Lokalbehandlung bietet den Vorteil, dass sie recht nebenwirkungsarm ist, da nur wenig Wirkstoff in den Körper aufgenommen wird.

  1. Cromoglycinsäure und Nedocromil

    Beide stabilisieren die Mastzellen um zu verhindern, dass sie ihren Cocktail aus Enzündungsvermittlern entladen. Um die volle Wirksamkeit zu entfalten, sollten sie schon ca. eine Woche vor den Allergiebeschwerden angewendet werden. Da die Wirkung schnell abnimmt, müssen sie vier mal täglich benutzt werden. Augentropfen und Nasentropfen sind einzeln und als Kombipackung erhältlich.

  2. Antihistaminika

    Die Blockade des Entzündungsvermittlers Histamin wird durch die Wirkstoffe Azelastin und Levocabastin erreicht. Sie werden unmittelbar bei Beschwerden des Auges oder der Nase verwendet, weil ihre Wirkung rasch einsetzt. Nach ca. 10 bis 20 Minuten hat man Linderung, eine regelmäßige Anwendung ist nicht nötig. Auch hier haben Sie die Möglichkeit zwischen Einzel- und Kombipackungen zu wählen.

  3. Nasensprays mit dem Wirkstoff Ectoin

    Es entfernt Pollen aus der Nase und unterstützt die körpereigene Schutzbarriere. Der Naturstoff Ectoin bildet einen beruhigenden Hydrofilm.

  4. Kortisonhaltige Nasensprays

    Lokal wirksame Kortikoide verringern die Produktion von Entzündungseiweißen und fahren das Immunsystem dort zurück, wo sie eingesetzt werden. Sie wirken am stärksten entzündungshemmend und antiallergisch. Man nutzt sie vor allem bei schweren Erkrankungen wie chronischem Heuschnupfen mit einer Nasennebenhöhlenentzündung oder asthmatischen Beschweren. Seit Oktober 2016 sind die Wirkstoffe Fluticason und Mometason nicht mehr verschreibungspflichtig.

    Die meisten kortisonhaltigen Nasensprays sind für Patienten ab sechs oder gar 12 Jahren zugelassen. Mometason eignet sich schon für Kinder ab drei Jahren.

    Fluticason hat eine Zulassung für Erwachsene ab 18 Jahren. Es bekämpft nicht nur die Beschwerden an Nase und Augen sondern auch ihre Ursache, die Entzündung der Schleimhäute. Wenden Sie das Spray auch dann an, wenn Sie symtomfrei sind, also täglich während der Allergiesaison. Anwendung: Zwei Sprühstöße pro Tag und Nasenloch, nach Besserung ein Sprühstoß.

Medikamente zum Einnehmen

Hier kommt wieder unser Botenstoff Histamin ins Spiel. Alle gängigen Allergietabletten mit chemischen Wirkstoffen blockieren das Histamin und greifen so in das Entzündungsgeschehen ein. Diese als Antihistaminika bezeichneten Wirkstoffe machten früher oft müde.

Die heute freiverkäuflichen Wirkstoffe Cetirizin und Loratadin bezeichnet man als Antihistaminika der zweiten Generation. 10mg täglich reichen aus, um den spezifischen H1 Rezeptor zu blockieren. Loratadin wirkt sogar noch etwas länger als Cetirizin. Die Wirkung tritt schnell ein und die meisten Patienten vertragen die beiden Wirkstoffe sehr gut.

Während der Therapie mit Cetirizin und Loratadin kommt es manchmal zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Ausschlag und Juckreiz, Kopfschmerzen und Benommenheit. Cetirizin kann vereinzelt müde machen und sollte deshalb abends eingenommen werden. Bei Personen, die sich stark konzentrieren müssen, ist Loratadin eher zu empfehlen.

Raus an die frische Luft, den Frühling und Sommer genießen

Frühling und Sommer an der frischen Luft genießen

Allergiker, die mit Loratadin und Cetirizin nicht auskommen, haben die Chance, mit den rezeptpflichtigen Antihistaminika der dritten Generation der Allergie den Garaus zu machen. Desloratadin und Levocetirizin sind hier die gängigsten Wirkstoffe. Dosierung: Einmal täglich 5mg.

Homöopathie

Die Einnahme homöopathischer Tabletten sollte bereits beginnen, bevor die Beschwerden ihren Höhepunkt erreichen. Ziel ist auch die Anregung der Selbstheilungskräfte. Ein Präparat der Firma DHU (www.dhu.de) enthält die Bestandteile Luffa operculata (Schwammgurke), Galphimia glauka (kein deutscher Name bekannt) und Cardiospermum (Ballonrebe). Niesreiz, verstopfte Nase, Juckreiz, tränende Augen und Bindehautentzündung können bekämpft werden. Es sind Tropfen und Tabletten im Handel, wobei homöopathische Tabletten nicht geschluckt werden: Man lässt sie unter der Zunge zergehen.

Desensibilisierung (verschreibungspflichtig)

Viele Allergiker kennen die Desensibilisierung (unempfindlich machen) als „Spritzentherapie“. Dabei bekommt man „seine“ Allergene in wachsender Konzentration unter die Haut gespritzt, um den Körper an die Allergene zu gewöhnen. Dafür muss man natürlich regelmäßig zum Arzt gehen, der zum einen die Spritze setzen muss und zum anderen Rezepte über die Desensibilisierungslösung ausstellt. Die Lösung wird dann bei der entsprechenden Firma hergestellt und liegt in ihrer Apotheke zur Abholung bereit.

Seit einiger Zeit gibt es eine Erleichterung für alle Gräserpollenallergiker!
Eine Tablette mit gefriergetrockneten Allergenen aus Graspollen (alle Arten von Gräsern). Sie wird unter die Zunge gelegt wie homöopathische Tabletten und muss nicht gekühlt werden. Die Therapie sollte zwei (besser vier) Monate vor der Graspollensaison beginnen und dauert ca. 3 Jahre. Auch die Tabletten sind verschreibungspflichtig, daher wird es hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Sal-Weide

Sal-Weide

Tipps für Heuschnupfengeplagte

  • Regen bringt Segen! Vermeiden Sie bei hoher Pollenbelastung den Aufenthalt im Freien. Nach einem kräftigen Regenguss ist die Luft wie reingewaschen, man kann besser atmen.
  • Informieren Sie sich über die täglichen Pollenflugvorhersagen.
    WO? WIE? Am besten gleich hier bei uns →.
    Oft bieten auch die regionalen Radiosender diesen Service an, oder Sie schauen im Internet auf der Seite des deutschen Wetterdienstes nach. (www.dwd.de)
  • Schützen Sie Ihre Augen. Tragen Sie im Freien eine Sonnenbrille. Schon kommen weniger Pollen in die Augen
  • Lassen Sie im Auto bei starkem Pollenflug die Fenster zu und die Lüftung aus. Es sei denn, es ist ein Feinstaubfilter eingebaut. Diese müssen aber auch mal erneuert werden.
  • In der Wohnung sollte täglich Staub gesaugt werden (möglichst nicht vom Allergiker selbst). Auch für Staubsauger gibt es Mikrofilter, damit der Staubsauger nicht zur Pollenschleuder wird. Staubsaugerbeutel häufig wechseln.
  • Vermeiden Sie Wiesenblumensträuße in der Wohnung. (Hatschi)
  • Spülen Sie sich abends die in den Haaren hängen gebliebenen Pollen aus, bevor Sie ins Bett gehen.
  • Nachts Fenster geschlossen halten.
  • Legen Sie die getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ab. Ohne Pollen schläft es sich besser.

Hinweis

Vermeiden Sie eine längere Anwendung von Erkältungsnasensprays mit abschwellenden Wirkstoffen. Sie trocknen die Nasenschleimhäute aus und führen schnell zur Gewöhnung. Verwenden Sie möglichst unkonservierte Nasensprays, weil die Konservierungsstoffe die Flimmerhärchen und die Hornhaut schädigen und selbst zu Allergien führen. Kurzfristige Anwendung (möglichst unter sieben Tage) ist in Ordnung, wenn man beispielsweise abends eine verstopfte Nase schnell freibekommen möchte. Schließlich ist erholsamer Schlaf auch wichtig, besonders wenn man tagsüber von Pollen gequält wird.

Wir wünschen Ihnen eine beschwerdefreie Zeit!

Ich bin sauer

Wann haben Sie diesen Satz das letzte Mal gesagt? Was steckt hinter dem Begriff „sauer sein“? Manchmal steht unser Magen mit diesem Zustand in unmittelbarem Zusammenhang. Genauso sagen wir oft: „Es ist mir auf den Magen geschlagen“. Unser Magen, der uns durch Sodbrennen signalisiert „Reiz mich nicht!“

Was passiert bei Sodbrennen?

Um unsere Nahrung in einzelne Bestandteile zu zerlegen, also um zu verdauen, benötigt unser Magen 0,5%ige Salzsäure. Sie wird in Belegzellen gebildet, und durch die Protonenpumpe aktiv an unseren Magen weitergeleitet. Unser Magen ist mit einer Schleimschicht ausgekleidet, damit die Säure unsere Magenwand nicht angreifen kann. Diese Magenschleimhaut produziert einen Schleim, der Hydrogencarbonat enthält und die Salzsäure puffert. Wenn dieser Vorgang nicht richtig funktioniert, kommt es zu Sodbrennen.

Auch fetthaltige Mahlzeiten lösen Sodbrennen aus
Reichhaltiges Essen kann zu Sodgrennen führen

Stress, Nikotingenuss und Alkoholgenuss sind Risikofaktoren, die Sodbrennen auslösen. Zuckerhaltige oder fetthaltige Mahlzeiten lösen ebenfalls Sodbrennen aus.

Wenn durch reichhaltiges Essen oder Übergewicht oder Schwangerschaft ein starker Druck auf den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen ausgeübt wird, fließt Magensäure zurück in die Speiseröhre. Hier entsteht eine Reizung, also Sodbrennen.

Auch wenn im Alter der Schließmuskel erschlafft, und die Säure die Schleimhäute in der Speiseröhre reizt, ist Sodbrennen die Folge.

Was können wir selbst dagegen tun?

  • Nicht zu fettig oder zu süß essen
  • Gründlich kauen
  • Kleinere Mahlzeiten sind verträglicher als große
  • Übergewicht reduzieren
  • Säurelocker wie Alkohol, große Mengen Kaffee oder Nikotin reduzieren
  • Stress möglichst verringern. Entspannungstraining hilft

Bei leichten Beschwerden helfen schon Mittel aus der Naturheilkunde und aus der Homöopathie.

  • Magen- bzw. Beruhigungstee trinken
  • Bolus alba harmonisiert das Verdauungssystem
  • Pulvis stomachicum cum Belladonna wirkt gegen Entzündungen
  • Amara Tropfen werden kurmäßig über drei Monate bei Sodbrennen eingenommen
  • Nux vomica D6 wirkt gegen stressbedingte Magenbeschwerden
  • Rubinia pseudoacacia D6 hilft bei leichtem Sodbrennen
  • Gentiana Magenglobuli unterstützt und reguliert durch die enthaltenen Bitterstoffe das gesamte Verdauungssystem
  • Iberogast oder Gasteo Tropfen wirken harmonisierend und bessern so die Magenbeschwerden

Wann und wie oft leiden Sie unter Sodbrennen?

Fast jeder von uns kennt es, direkt nach kleinen Sünden Sodbrennen zu bekommen. Diese kleinen Sünden beginnen oft mit „s“: sahnig, süß, scharf, sauer, schwer …

Sahnig, süß, schwer ...
Sahnig, süß, schwer …

Hier kann man sich schnell selbst helfen, indem man ein Medikament einnimmt, welches die überschüssige Magensäure lokal neutralisiert. Entweder ist das Medikament flüssig, in Portionsbeuteln verpackt oder als Kautablette erhältlich. Die Portionsbeutel müssen gut durchgeknetet werden, um die Wirkstoffe gründlich zu vermischen. Die Kautabletten sollten sorgfältig gekaut werden. Die Verträglichkeit dieser Mittel ist gut. Sie wirken 2-4 Stunden und sollten eine Stunde nach dem Essen eingenommen werden.

Wenn Sie schon mit Sodbrennen aufstehen, also immer und nicht nur nach den kleinen Sünden , ist mit den gerade beschriebenen Mitteln nicht mehr viel zu machen. In diesem Fall gibt es andere Medikamente, die aber zum größten Teil, besonders wenn die Beschwerden länger als 14 Tage andauern, verschreibungspflichtig sind. Zwei Wochen können Sie selbst therapieren, danach müssen Sie zum Arzt. Die Medikamente die hier infrage kommen, sind H2 Blocker, z.B. Ranitidin. H2 Blocker blockieren die Bindung von Botenstoffen wie Histamin an die H2 Rezeptoren der Belegzellen des Magens. Damit hemmt man die basale Säureproduktion. Diese Medikamente werden Abends eingenommen, die Wirkung hält 6-10 Stunden an.

... wenn unser Magen uns durch Sodbrennen signalisiert 'Reiz mich nicht'!
… wenn unser Magen uns durch Sodbrennen signalisiert „Reiz mich nicht!“

Eine andere Wirkweise haben Medikamente wie Omeprazol, Pantoprazol und Esomeprazol. Sie werden bei stärkeren und häufigen Magenproblemen eingesetzt. Diese Mittel hemmen die Protonenpumpe der Belegzellen des Magens. Dadurch wird weniger Magensäure gebildet. Die Wirkung setzt nicht sofort ein, sondern erst optimal nach circa 2 Tagen. Diese Medikamente werden 30 Minuten vor dem Frühstück eingenommen.

Auch hier ist eine „Eigentherapie“ nur für einen kurzen Zeitraum (maximal 14 Tage) gedacht. Alles andere muss vom Arzt entschieden und abgeklärt werden.

Treten zusätzliche Symptome wie Schluckbeschwerden, Blut im Stuhl, Magenschmerzen, oder ungewollter Gewichtsverlust auf, muss auf jeden Fall eine ärztliche Untersuchung erfolgen.

Quelle: PTAheute Nr. 4 Febr. 2016